Profilbild von elena_liest

elena_liest

Posted on 12.4.2021

Unsere namenlose Ich-Erzählerin ist 35, wohnt in einer Wohnung in der Stadt, ist seit 8 Jahren mit ihrem Freund Philip zusammen - und möchte keine Kinder. Das kommuniziert sie ganz offen, ihre Entscheidung ist schon vor vielen Jahren gefallen. Ihr Umfeld möchte das aber nicht akzeptieren. Von Eltern, Verwandten, Freund*innen, Kolleg*innen und Bekannten muss sie sich immer wieder Fragen dazu gefallen lassen, wann es denn endlich soweit sei, ob sie wisse, dass ihre biologische Uhr tickt, warum sie denn keine Kinder wolle, ob sie keine Familie wolle. Als dann ihre beste Freundin Nachwuchs bekommt, ändert sich nochmals alles um sie herum - nur ihr Inneres bleibt gleich: keine Kinder. Linn Strømsborg nimmt sich in ihrem Roman "Nie, Nie, Nie" einem Thema an, das leider nicht oft genug thematisiert wird: der Wunsch, eben keine Kinder zu bekommen. Kein Leben mit Kindern zu wählen, sondern eben sich selbst eine Familie sein, sich für sich selbst entscheiden und gegen die Selbstaufgabe für ein Kind. Dass dieser Lebensweg gesellschaftlich nicht wirklich anerkannt ist, brauche ich glaube ich fast nicht zu erklären, es ist aber wohl bezeichnend, dass ich mit 24 Jahren bereits von einigen Familienmitgliedern gefragt werde, ob es denn bald soweit sei und wie es bei mir und meinem Freund mit Kinderplanung aussieht. Ich hasse diese Fragen. Sie dringen in meine tiefste Privatsphäre ein und sind mehr als übergriffig. Deshalb bin ich so froh, dass die Autorin dieses Thema literarisch verarbeitet hat. Der Schreibstil bleibt dabei sehr knapp und zugänglich, das Buch ist in viele kurze Kapitel unterteilt, die das Lesen sehr leicht machen. Was mich aber gestört hat, sind die vielen nur halb beschriebenen Seiten. Das mag dramaturgisch gut zum Inhalt passen, mir persönlich sagt so etwas aber meist gar nicht zu und ich denke, man hätte diese Lücken zwar nicht unbedingt füllen müssen, sie aber hingegen auch einfach nicht machen müssen. "Nie, Nie, Nie" ist ein sehr wichtiges Buch und ich kann wirklich nur allen empfehlen, es zu lesen, ganz egal, ob ihr nun Kinder haben wollt oder nicht. Es sensibilisiert für die Thematik, sich gegen Kinder zu entscheiden und hält dieser Gesellschaft den Spiegel vor - wie absurd und schädigend diese ganze Fragerei, diese ganzen übergriffigen Handlungen, dieses ungefragte einmischen in das eigene Leben sind. Auch wenn ich selbst leider keinen richtigen Zugang zu der Protagonistin und der Geschichte allgemein finden konnte, finde ich sie trotzdem empfehlenswert, auch einfach, weil es kaum Bücher darüber gibt, eben keine Kinder zu wollen. Ich hoffe, dass diese klaffende Lücke zukünftig mit mehr Büchern gefüllt wird. Bis dahin: "Nie, Nie, Nie" in die Hand nehmen!

zurück nach oben