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awogfli

Posted on 8.3.2020

Ein sehr nerviges Werk, das als Episodenroman keine konsistente Gesamt-Geschichte zusammenbringt und als lose Kurzgeschichtensammlung gesehen sind die Figuren der Episoden einfach viel zu wenig entwickelt und der Plot weist in den meisten Fällen keinen Spannungsbogen auf. So war ich als Leserin ständig damit beschäftigt, zu versuchen das Gesamtbild, das Puzzle, zusammenzupfriemeln was nicht funktionieren konnte, da die tangent zusammenhängenden Episoden und die auch nur tangent zusammenhängenden Figuren und Biografien einfach keine Struktur oder ein Ziel ergaben. Ich bin ja sehr für anspruchsvolle Literatur, möchte mich auch sehr gern geistig ein bisschen anstrengen und habe schon mit ausgezeichneten Episodenromanen wie Daniel Kehlmanns Ruhm oder Denn sie sterben jung von Antonio Ruiz-Camacho sehr gute Erfahrungen gemacht, aber sinnlose Leserquälung, Defragmentierung, und nur tagente Episoden im Stakkato stroboskopartig platziert ohne Ziel, Sinn und Verstand ist nur eines: nämlich schlechtes Literaturhandwerk. Was das traurigste an diesem zusammenhanglosen Machwerk ist, ist der Umstand, dass die Autorin sehr wohl und sehr gut zu schreiben vermag. Ein paar wenige Episoden sind sogar als Kurzgeschichte relativ gut konzipiert und weisen plottechnisch einen humorvollen sich rasant zuspitzenden Spannungsbogen auf, wie zum Beispiel die erste Szene einer Ehe zwischen Odilie und Robert als ein winziger Konflikt mit Publikum im Supermarkt sehr schnell eskaliert. Oder sie fallen auch durch sprachliche Skurrilität auf, z.B. die schräge Sexszene “ Er befreite sein Geschlechtsteil, und plötzlich fiel mir auf, dass das Sofa türkis war“, aber das ist auch schon alles, was diese 170 Seiten an positiven Erlebnissen und Qualität zu bieten haben. Dann auch noch in einer Episode des Romans Klosterneuburg als Filmdrehort zu installieren ist wirklich absurd. Ich hab nix gegen Fiktion und Imaginationskraft, aber konsistent sollte sie schon sein und nicht ausgerechnet das letzte spießige Nest im Schatten eines Hügels im Norden von Wien als Location für einen internationalen französischen Film auswählen. Ich war so verblüfft, dass ich googeln musste, ob mir da etwas entgangen ist, aber außer einer einzelnen Folge von Soko Donau tat sich dort niemals etwas. Weil Kloburg (Spitzname) an der Donau liegt, musste das ja mal sein aber alle anderen Nester an der Donau waren schon weitaus öfter und mehrmals Schauplatz dieser Serie. Ok das Kloster ist schön, wenn man einen Wachauer Marillenbaum veredeln will, ist das der richtige Ort, die dortige Wein- und Obstbauschule hat 1861 eine Methode zum Messen des Zuckergehaltes von Wein entwickelt, oder wenn man eine schweineteure Wohnung meist sehr ungemütlich in Hanglage in der Nähe von Wien kaufen will, ist man dort auch gut aufgehoben, ein gutes Kunstmuseum wurde dort gegründet aber 2016 wieder geschlossen, ansonsten tut sich gar nix dort. Fazit: So, aber nun komme ich zur Endabrechnung. Das Buch ist komplett entbehrlich. Wahrscheinlich war der einzige Nutzen, dass ich es gelesen habe jener, dass Ihr mich immer so gern leiden seht und auch mein Lamento über mein Leiden gar so sehr genießt. Hab da schon öfter positive Signale unter meinen Freundln gehört, die sich immer so daran ergötzen, wenn ich mich über ein Buch aufpudle im Lesestatus extrem sudere und es dann auch noch als Schlusspunkt auch noch gemein verreiße.

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