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seehase1977

Posted on 6.2.2020

Das Lied der Wächter – Das Abenteuer geht weiter Felix ist immer noch auf der Suche nach seinen Eltern, die nach einem verheerenden Atomunfall im Schwarzwald verschollen sind. Immer noch ist das ganze Gebiet verstrahlt und schwer begehbar und doch dringt Felix immer tiefer in das Sperrgebiet vor. Er trifft auf Menschen, die ihm Gutes wollen, aber auch auf solche, die sein Leben bedrohen, denn nicht nur die Natur hat sich völlig verändert, auch die Menschen im Schwarzwald kämpfen täglich ums Überleben. Auch wenn Felix sich immer besser zurechtfindet und der unheimlichen und gefährlichen Kraft geschickter zu begegnen weiß, so bedroht der übernatürliche Gesang immer noch alles Leben. Wird Felix seinem großen Ziel, nämlich seine Eltern zu finden, näherkommen? Meine Meinung: Er ist da, der zweite Teil der Trilogie „Das Lied der Wächter – Der Gesang“ von Thomas Erle. Schon im ersten Teil hat sich herauskristallisiert, dass das Buch eher einen Abenteuerroman denn Fantasy verkörpert, dieses Bild verfestigt sich definitiv auch im zweiten Teil, der genau an der Stelle anfängt, wo der erste Teil aufgehört hat. Es ist daher wichtig, einen Quereinstieg in die Reihe zu vermeiden. Erst einmal passiert relativ wenig, Felix wandert, Felix marschiert und Felix kämpft sich durch einen verwilderten und gefährlichen Schwarzwald, muss einige Hürden überwinden und brenzlige Situationen durchstehen, die dem Jungen Risikobereitschaft und seinen ganzen Mut abverlangen. Dennoch sind diese Passagen etwas langatmig und zäh, auch wenn Thomas Erle es wunderbar versteht, atmosphärische Landschaftsbilder in die Köpfe seiner Leser zu projizieren. Gerade noch rechtzeitig, bevor die Story ins Langweilige abzudriften droht, kriegt der Autor die Kurve und die Handlung beginnt an Spannung und Tempo zuzulegen. Felix trifft auf alte Bekannte und auch neue Figuren betreten das Spielfeld und bereichern mit ihren Charakteren die Geschehnisse. Einige Szenen haben sogar ein bisschen Action zu bieten und bringen somit Abwechslung in die Geschichte. Fragen, die im ersten Teil offengeblieben sind, werden beantwortet, doch noch ist das Geheimnis um die bedrohliche Kraft, die „Spinne“, die im Schwarzwald ihre gefährlichen Netze auslegt, nicht aufgelöst. Zwar erreicht Felix ein Etappenziel, doch am Ende seiner Suche ist der Junge auch am Schluss des zweiten Teils noch immer nicht angelangt. Meiner Meinung nach hat sich Felix im Laufe der Story sehr gut entwickelt. Von einem behüteten Teenager, der bisher eher sorglos durchs Leben gehen konnte, ist ein reiferer junger Mann geworden, der mutiger und risikobereiter ist, der aber auch Gefahren besser abwägt und sich ihnen besonnen in den Weg stellt. Ich bin sehr gespannt, ob Thomas Erle im September mit dem dritten und letzten Teil der Trilogie alle offenen Fragen auflösen kann. Mein Fazit: „Das Lied der Wächter – Der Gesang“ führt den Leser zusammen mit dem Protagonisten Felix wieder auf eine abenteuerliche Reise durch den gefährlichen Schwarzwald. Thomas Erle hat einen ruhigen Erzählstil und man merkt, dass der Autor im Schwarzwald lebt und arbeitet und dort viel unterwegs ist. Seine Landschaftsbeschreibungen sind bildhaft und sehr atmosphärisch, allerdings oft auch zu viel des Guten. Ich hätte mir allgemein etwas mehr Spannung und Nervenkitzel gewünscht. Ein solider und unterhaltsamer zweiter Teil, ich hoffe aber, dass der dritte und letzte Teil der Reihe ein fulminantes Ende zu bieten hat.

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