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Sarang

Posted on 1.2.2020

. “Aber ich werde dich nicht einmal kennen, nicht wahr? [...]” “Du musst mich nicht erkennen, ich werde dich erkennen.” Sie schluchzte an meiner Brust. “Ich werde mich selbst nicht kennen.”, S. 198 . »Der Inhalt« Sein Name ist Daniel. Sein Gedächtnis ist außergewöhnlich. Es heißt immer, dass nur die Liebe keine Grenzen kennt und über den Tod hinaus besteht. Da haben sich wohl alle geirrt. Denn Daniels Gedächtnis überdauert Leben um Leben, Zeit um Zeit. Erstmals um 520 nach Christus kam er auf die Welt und durchlebt jedes seiner Leben mit gesenkten Kopf und tiefsitzender Verweiflung. Es ist ein Fluch, dass er nicht vergessen kann. All seine Vergehen und Fehler, die sich in sein Gehirn fressen, sind immer da, selbst wenn sein neuer Körper es noch nicht ist. Dabei wünscht er sich nur eines: Dass sich das Mädchen, das er von seinem ersten Leben an kennt, endlich an ihn erinnert. Der Mann, der sich an alles erinnert, möchte nur eines: In der Erinnerung eines anderen vorkommen und wird nicht müde, sie zu suchen und immer wieder zu verlieren. Eine tragische Geschichte zwischen zwei Liebenden, von denen einer nicht einmal weiß, wie sehr sich sein Herz nach dem anderen verzehrt... »Protagonisten, die aus ihren Lettern steigen« “So nah und doch so fern” ist ein Buch, das mir unglaublich nahe ging und Explosion um Explosion in mir auslöste. Mal bekam ich Herzrasen, dann am ganzen Körper eine Gänsehaut oder eine ausgewachsene Krise im Kopf. Die Protagonisten befreiten sich aus den Lettern, stiegen aus den Seiten und umtosten mich mit ihren Worten, die sich zu einer wellenbrandenden bildlichen Geschichte in meinen Kopf verdichtete. Selten habe ich so mitfühlen können, wie bei Ann Brashares “So nah und doch so fern”. »Liebe. In allen Formen!« Das Leitmotiv der Geschichte ist die Liebe. Doch nicht das typische Schnullzenmodell zwischen Mann und Frau. Es geht um die tiefgreifendere, eine teilweise platonische Liebe. Die Liebe zwischen Freunden. Zwischen Eltern und Kindern. Ann Brashares greift in diesem Zusammenhang den Gedanken der Reinkarnation auf und verwebt geschickt diese essentiellen Dinge miteinander. Ich wage zu behaupten, dass “So nah und doch so fern” eine gut durchdachte und in meinen Augen brillante Szene aus den Dingen entwirft, die im Leben wirklich wichtig sind. »Was im Leben zählt...« Am Ende mag jede/r andere Maßstäbe setzen und manchmal wird “das Wichtigste” auch nicht erkannt, doch genau das zeigt Ann Brashares. Dass es so banal und doch so schwer ist, zu begreifen, was uns ausmacht und wofür wir leben sollten. Die Geschichte von Daniel und Lucy hat meine innere Stimme aufgedreht, so dass ich nun besser auf sie hören kann. . Und ich würde immer noch da sein, dumm und halbfertig, für alle Zeit. S. 156 »Das Leben mit dem Tod« Reinkarnation und der Kreislauf von Vergänglichkeit und Neuem sind schon seit Jahrhunderten Themen, mit denen sich die Menschen, vornehmlich in der Literatur und Kunst, auseinandersetzen. Verwunderlich ist dies nicht, so liegt der Tod doch außerhalb unseres Einflussbereichs und dennoch ist er allgegenwärtig. Jede/r wird ihn am Ende durchleben und was Ann Brashares mit ihren schmerzlich süßen Worten in “So nah und doch so fern” angerichtet hat, ist ein Kunstwerk, das irgendwie alles übertrifft, das ich in dieser Richtung jemals gelesen habe. . Mein wahres Leben fand zum großen Teil tief verborgen in meinem Geist statt […], S. 121 . . Tief philosophisch und mich sprachlich bis in meine Knochen erschütternd, hat dieses Werk von ihr nichts mehr mit ihren primär lockeren Jugendbüchern “Eine für Vier” gemein. Trotz Philosophie ist alles in einer Art und Weise miteinander verwoben, die es jedem Laien (inklusive mir) ermöglichen sollte, alles zu verstehen, sich weiter zu erkundigen, sofern erwünscht oder in dem eingezäunten Gelände zu bleiben, das “So nah und doch so fern” vorgibt. Dabei möchte ich hinzufügen, dass diese Figuren durch ihre Lebendigkeit und Impulsivität schon die Grenzen all dessen sprengen, was ich bisher kannte. »Wie ein Sturm« Wenn ein Buch wie ein Sturm ist und es sich in einer schlichten Rezension nicht mehr einfangen lassen möchte, muss es etwas Besonderes sein. “So nah und doch so fern” trumpft auf beinahe jeder Seite mit poetischen und wunderschönen Sätzen auf, die in Gedanken beinahe wie Musik klangen und gut und gerne als eigenes Gedicht hätten stehen können. »Mein Fazit« “So nah und doch so fern” ist eine Lektüre, um über den eigenen Tellerrand zu blicken. Sie ist süß und fruchtig wie Kirschen und an manchen Stellen genauso herb. Und ebenso, wie man sich an der Süße von Kirschen überfuttern kann, hat auch Ann Brashares es vollbracht, so viel, so gut, so prickelnd und so atemberaubend umzusetzen, dass ich manchmal glaubte, mein Gehirn könne unmöglich noch mehr davon fassen. Ein Buch für alle, die den Tod fürchten. Ein Buch für alle, die sich des Lebens erfreuen. Ein Buch für alle, die einen geliebten Menschen verloren haben und nicht loslassen können. Ein Buch, das erfrischt, aufwühlt, nachdenklich zurücklässt und so etwas wie eine eigene Seele besitzt. (Wenn es so etwas überhaupt geben sollte! ;-)) . “Das alles ist kein Zufall. Du bist seit meinem ersten Leben bei mir. Jedes Mal bist du meine erste Erinnerung, der Leitfaden, der durch all meine Leben führt. Erst durch dich werde ich zu einem ganzen Menschen.”, S. 187

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