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nonostar

Posted on 26.1.2020

"Kein Teil der Welt" erzählt die junge Esther ihre Geschichte. Esther wuchs bei den Zeugen Jehovas auf und lernt dort ihre beste Freundin Sulamith kennen. Doch die beiden werden älter und Sulamith beginnt immer mehr zu zweifeln an dem Glauben, in dem ihre Mutter nach ihrer Flucht Hoffnung fand. Doch die Suche nach Freiheit endet tragisch. Stefanie de Valesco erzählt hier die Geschichte zweier Mädchen, die aufwachsen in einer strengen Gemeinschaft,ausgeschlossen von den Menschen in ihrer Umgebung. Es ist die Geschichte von Sulamith, einem jungen Mädchen, das sich immer mehr eingeengt fühlt von dem Glauben ihrer Gemeinschaft, das sich verliebt und nicht weiß, wie sie beide Welten in Einklang bringen soll. Sie beginnt zu zweifeln, aufzubegehren und wird immer weniger verstanden von ihrer Mutter aber auch von ihrer besten Freundin. Sulamith beginnt hinter die Glaubensgrundlagen zu blicken, sie kann die versprochene Wahrheit nicht erkennen und möchte ihr Leben nicht als Lüge leben, sie will ausbrechen und endlich frei sein. Frei sein zu tun, was sie will und v.a. zu glauben, was sie will. Es ist aber auch die Geschichte von Esther, die nur diese eine echte Freundin hat, mit der sie alles teilen konnte bisher. Sie hat Angst um diese Freundin und weiß nicht wie sie mit den Zweifeln und Taten der anderen umgehen soll. Nach einer Tragödie wird sie schließlich herausgerissen aus ihrer gewohnten Umgebung. Sie fühlt sich allein gelassen mit ihrem Verlust, vermisst ihre beste Freundin und will doch eigentlich nur wissen, was wirklich passiert ist. Doch ihre Eltern verstehen sie nicht, wollen sie weiter in das Konzept ihres Glaubens pressen und so beginnt auch Esther schließlich zu zweifeln und aufzubegehren. Auch Esther beginnt hinter die Kulissen zu blicken und erkennt für sich, dass der Gott an den sie so lange geglaubt hat nicht so gut sein kann, wie ihre Eltern behaupten. Die Trauer um ihre Freundin ist immer spürbar, die Welt um sie herum verstummt, es ist, "Als ob man durch einen Wald ginge und nirgendwo Vögel zwitscherten, ein Wald in dem nichts blühte und nicht mal die Äste knackten, wenn man auf sie trat". Ich habe mir nie wirklich Gedanken über den Glauben und das Leben der Zeugen Jehovas gemacht. Wie viele habe ich sie als seltsam abgestempelt, weswegen es sehr interessant war, hier einen Einblick zu bekommen. Doch "Kein Teil der Welt" hat mich auch über andere Religionen nachdenken lassen. Über Regeln und Verbote im Namen des Glaubens, im Namen Gottes. Stefanie de Valesco hat einen sehr klaren Schreibstil und doch eine fast schon poetische Sprache. So viele Sätze, v.a. im 2. Teil des Buches, haben mich berührt oder zum Nachdenken gebracht. Es ist nicht nur das Leben als Zeuge Jehovas, auch die Verarbeitung der Trauer tritt v.a. gegen Ende immer stärker in den Vordergrund. Die Charaktere erscheinen einem wie echte Menschen, ich konnte die zunehmende Verzweiflung und den Ärger, den erst Sulamith und später Esther empfinden spüren. Aber auch die Eltern von den beiden Mädchen haben mich beschäftigt. Sie wollen ihre Kinder bei sich haben und entfremden sie doch immer weiter von sich. Man fragt sich als Leser vielleicht, wie man selbst handeln würde in so einer Situation. Was soll man tun, wenn die Kinder den Glauben ablehnen, der so tief in einem selbst verankert ist? Soll man sie einfach gehen lassen? "Kein Teil der Welt" ist ein tolles Buch, das mich mit seiner Sprache überzeugt hat und mir ein Thema näher gebracht hat, mit dem ich mich vorher kaum befasst habe. Lediglich die Zwischensequenzen konnte ich auch am Schluss nicht einordnen, waren sie doch so anders von Sprache und Inhalt her.

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