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buchperlenblog

Posted on 14.5.2019

Eine Frau wie eine Naturgewalt. Berauschend, abstoßend, wie eine immerwogende Welle aus Gefühlen, Träumen und Zweifeln. Violaine Huisman erzählt direkt und schonungslos von ihrer Mutter, die ihr Leben lang mit den Teufeln der Depression kämpfen musste. Von allem zu viel Catherine muss ihr Leben lang kämpfen. Um die Liebe der Mutter, den Erfolg, ihre Beziehungen, um ihr eigenes Überleben. Schon als Kind fühlt sie sich zurückgelassen, allein in einem Kinderkrankenhaus, ohne den Beistand ihrer Mutter. Diese früh fehlende Bindung ist das erste Glied einer langen Kette, die aus ihr einen manisch-depressiven Menschen machen werden. Violaine Huisman, die jüngste der beiden Töchter von Catherine, rekonstruiert in einem atem(be)raubenden Lauf das Leben der eigenen Mutter, von ganz unten nach ganz oben und wieder zurück. Kein Stillstand, immer ein Kampf. Dabei beruft sie sich oftmals auf Erzählungen, die die Mutter immer wieder zum Besten gab, thematisiert sowohl ihr Liebes- als auch ihr Sexualleben ausführlich. Catherine war impulsiv, sie lebte immer am Rande zum Wahnsinn. Alkohol, Drogen, wechselnde Liebhaber, das alles bestimmte das Leben der Mutter und so auch das von Violaine und ihrer Schwester. Der Vater ist ein hohes Tier in der Geschäftswelt, der allabendlich vorbeikommt, um die Kinder zu Bett zu bringen. Doch die Beziehung zur Mutter ist lang zerbrochen, auch wenn sie sich immer noch lieben. Man lernt Maman durch die Augen der Tochter kennen, versteht ihre Exzesse selten, schüttelt stumm mit dem Kopf. Doch dann kommt der zweite Part und hier lernt man die Frau hinter dem impulsiven Leben kennen. Catherine, die Frau, die siebenmal ihren Nachnamen wechselte und doch immer noch nicht weiß, wer sie nun eigentlich ist. Die sich in sich selbst verliert, in postnatalen Depressionen, im Rausch zwischen Liebe und Verzweiflung. Catherine, die Schöne, die aus der Arbeiterschicht nach ganz oben gelangte und die doch das einfache Leben auf dem Land liebte. Catherine, die voller Gegensätzlichkeiten war, die Mutter und Frau zugleich sein wollte und doch immer wieder an ihre Grenzen kam. Es ist ein mitreißender Roman, in einem ungewöhnlichen Stil geschrieben. Lange Sätze, verschachtelt wie bei Thomas Mann, viele Gedanken ineinander verwoben. So, wie vermutlich auch Catherines Leben war. Von allem ein bisschen zu viel. Atemlos rannte ich dem Leben hinterher, das sich da vor mir ausbreitete, atemlos und zutiefst erschöpft, als ich am unvermeidlichen Ende ankam. Aber glücklich; glücklich dieses wunderbare Stück Literatur gefunden zu haben. Fazit Wer Lebensgeschichten mag, der kommt hier voll auf seine Kosten. Denn wenn Catherine eines tat, dann war es leben. Violaine Huisman zeichnet das Bild ihrer Mutter schonungslos und ohne rosa-Brillen-Verklärung und schreibt damit eine wunderbare Hommage an ihre eigene Mutter, die so viel gab, um zu leben.

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