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drwarthrop

Posted on 9.5.2019

Liborio, ein geläuterter Einwanderer, fängt nach den vielen Strapazen seiner illegalen Überfahrt als „Drecksmex für Alles“ bei einem alten, geizigen Buchhändler an, der ihn für viel zu dumm hält, um Buchdiebstahl zu begehen. Denn Liborio hasst Bücher. Die Buchstaben, Worte und dieses elende Sprachgeschnodder ergeben für ihn keinen Sinn; nicht mal nachdem er die Wörter versteht. Warum sollte ein ausgereifter Mensch seine wertvolle Zeit mit dem beschauen sinnentleerten Kauderwelschs verbringen? „Verfluchte fokkin Poeten!“ Geprägt durch eine brutale, gewalttätige und angsterfüllte Kindheit, gehasst von allen, ist sein Körper Stahl, der Wille zu überleben unbezwingbar. So hat Liborio keine Skrupel ein paar Widerlingen, die sich an einem jungen Mädchen sexuell aufladen die Fressen zu „trashen“. ——————— Kafka sagte einst: „Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.“ „Gringo Champ“ ist nicht Axt, es ist Amboss. Neologismen, Hyperbeln, feine Charakterzeichnung, geniale Diktion. So präsentiert sich der Roman von Aura Xilonen, als ein modernes Märchen, in dem Liborio stets nur als Spielball seiner eigenen Umstände agiert, sich treiben lässt, kaum selbstständig handelt. Die brutale und recht obszöne Umsetzung der Sprache befindet sich dabei wunderbar mit der Geschichte im Einklang und unterstreicht die gesetzte Thematik perfekt. Zu dem entfaltet sich ein merklicher Wandel, der über die Zeit immer mehr an Bedeutung gewinnt und so eine interessante Charakterentwicklung beleuchtet. Die durchaus harte und drängende Kritik an der aktuellen Einwanderungspolitik entsteht dadurch eher sekundär, als durch stumpfe Exposition. Ein absolut gelungenes Meisterwerk mit einer einzigartigen, packenden Sprache, spleenigen Charakteren und einem herausragend sympathischen Helden.

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