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solidaribee

Posted on 9.2.2019

Auf dieses Buch habe ich schon lange vor seiner Erscheinung voller Vorfreude gewartet. Seit Jahren folge ich Felicia Ewert auf Twitter (@redhidinghood_) und bin begeistert von der ganzen Aufklärungsarbeit, die sie dort leistet – unbezahlt und oft im Fadenkreuz transfeindlicher, misogyner und lesbophober Tweets. Eine so undankbare wie wichtige Aufgabe, der sie mit Bravour nachkommt. Das Buch allerdings, muss ich sagen, hat mich leider enttäuscht. Inhaltlich habe ich nichts auszusetzen – in detailgenauer Arbeit analysiert die Autorin die Aspekte des Transsexuellengesetzes, legt die Verflechtungen von Ableismus und Transfeindlichkeit offen, erzählt von alltäglichen absichtlichen wie unabsichtlichen Feindseligkeiten gegen trans Personen. Bei all dem verliert sie nie die Tatsache aus den Augen, dass von allen Menschen Transfeindlichkeit ausgehen kann, da wir alle, auch Personen voll guten Willens oder Personen, die selbst trans sind, in einer Gesellschaft der strukturellen Diskriminierung aufwachsen. Diese Positionierung innerhalb eines Systems anstatt der eine „objektiven“ Beobachtungsinstanz ist etwas, das ich in vielen kritischen Texten vermisse. Das Enttäuschende war, dass das Buch wohl nur durch einen sehr, sehr oberflächlichen Lektoratsprozess durchlaufen hat. Bei diesem Thema bin ich bei kleinen/unabhängigen Verlagen sowie Self-Publishern eigentlich sehr kulant. Ich schwenke die Flagge des Teams „Inhalt über Form!“ und wenn ich twittere ist mir kaum etwas weniger wichtig als korrekte Rechtschreibung oder Grammatik. In diesem Buch aber wimmelte es in einem solchen Maße von Tippfehlern, seltsam platzierten Satzzeichen und unvollständigen Sätzen, dass teilweise das Verständnis des Inhalts sehr erschwert wurde. Hinzu kommt eine häufige Verwendung von Internet-Sprechweise (*zwinker*, lmao) und ständige Verweise auf online-Diskurse. Ich kann selbst nur sagen, das Buch verstanden zu haben, weil ich mich mit den angesprochenen Themen schon vorher ziemlich gut auskannte und auch relativ gut dabei bin was ein aktuelles Wissen darüber betrifft, was in LGBT-Online-Communities gerade diskutiert wird. Als ein Einstieg für Menschen, die sich mit der Thematik Transsexualität noch überhaupt nicht auseinandergesetzt haben, und vielleicht auch gar nicht so viel im Internet unterwegs sind (ich denke da so an – ältere – Freund*innen und Verwandte, denen man vielleicht mit einem Buch einen kleinen Gedankenanstoß geben möchte, bevor man sich outet) kann ich das Buch leider nicht empfehlen.

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