
Marcus Jordan
Rote Pille oder blaue Pille? Oder Vessas lesen. So kann man jedenfalls auch mal genauer hinsehen. Sich gesehen fühlen. Zwischen den Figuren des Romans stehen wie in einer Familienaufstellung. Vessas steht da auch. Und alle anderen auch. Ich kann auch nach diesem Buch des Norwegers kaum beschreiben, wie mich seine Texte bewegen. Auch dieser lyrische Roman war im Grunde schon auf der ersten Seite in meiner ewigen Bestenliste angekommen. So fängt er an: "Das ganze Haus fühlte sich anders an, weil dies eine Mal beide, Vater und Mutter, weggefahren waren. Sie waren früh heute weggefahren und sie hatten ihr eigenes Gewicht mitgenommen. Es war gut mit ihnen auszukommen, aber doch: Jetzt atmete man erleichtert auf und war allein. So dachte der vierzehnjährige Hallstein, als er hineinging." Und weil man nach den ersten drei kurzen Sätzen den vierzehnjährigen Jungen schon erkannt hat, bevor er im vierten Satz genannt wird, geht man mit hinein. In das Haus und in die Geschichte der nächsten Nacht dieses Hauses, nur der nächsten paar Stunden. Genug Zeit für Hallstein ein anderer zu werden oder zu sehen, wer er schon geworden ist. Genug Platz für Vessas die Schneekugel des Menschseins zu schütteln und froh zu betrachten, wie wild, wie haltlos und wie großartig alles ist. Der Verlag Guggolz macht unwahrscheinlich schöne Bücher. Kann man richtig dankbar sein dafür.