anni_anushka
Persönliche Einblicke in den Libanon jenseits der Schlagzeilen Aline Abboud, wem sie nicht bekannt ist, ist Sprecherin und Journalistin bei der Tagesschau. Außerdem hat sie einen multikulturellen Hintergrund, mit einem libanesischen Vater und einer ostdeutschen Mutter. In diesem Buch erzählt sie aus ihrem Leben mit und ihrer Identitätssuche zwischen zwei Kulturen. Dadurch gibt sie einen Einblick in ein Land, über das abseits von Nachrichtenmeldungen nur wenige Menschen etwas wissen. Wie eine Touristenführerin beschreibt sie anschaulich verschiedene sehenswerte Gegenden des Libanon. Aber auch von einschneidenden Erlebnissen erzählt sie, wie zum Beispiel als 2006 in unmittelbarer Nähe des Hauses ihrer Großeltern Bomben einschlagen und Abboud mit ihrer Familie über Land nach Deutschland zurück flüchtet. Zunächst fand ich das Buch sehr flüssig zu lesen, doch zunehmend fehlte mir etwas der rote Faden. Auch auf eine historische oder politische Einordnung wartet man vergebens. Hier hätte ich gedacht, dass der journalistische Hintergrund der Autorin stärker zum Tragen kommt. Auch werden Erlebnisse punktuell erzählt und bestehen eher aus einzelnen Anekdoten als aus einem größeren Ganzen mit Konzept. Einzelne Kapitel enden teilweise sehr abrupt und manchmal mit wenig Bezug zueinander. Und nicht zuletzt möchte die Autorin einem zwar das Land näherbringen, thematisiert aber nur vereinzelt, dass auch sie selbst das Land insgesamt wenig kennt, da sie im Jahr nur wenige Wochen am Stück dort verbringt und im Gegensatz zur Familie ihres Vaters das Privileg besitzt, jederzeit in ein westliches Land zurückkehren zu können. Auch der berufliche Alltag in einer Nachrichtenredaktion wird nur am Rande thematisiert. Dieses Buch gibt insgesamt interessante Einblicke in ein Land, das wenig als Urlaubsland bekannt ist und über das oftmals negativ konnotiert berichtet wird. Es veranschaulicht die Identitätssuche von Menschen mit multikulturellem Hintergrund und ist eine liebevolle Familiengeschichte bestehend aus kurzweiligen Kapiteln. Eine vertiefende Analyse der Situation im Libanon sollte man allerdings davon nicht erwarten.