marieause
Middletide wird ganz oft mit "Der Gesang der Flusskrebse" verglichen. Wohl, weil das Setting so ähnlich ist. Es geht um atemberaubend schöne Naturbeschreibungen, um Außenseiter, die abgeschieden leben, um einen Kriminalfall und eine Liebesgeschichte. Aber trotzdem habe ich hier keine großen Parallelen gesehen, für mich war es kein müder Abklatsch. Ich fand das Buch sowohl spannend als auch berührend. Elijah, um den es hier geht, hat seiner Heimat länger den Rücken zugekehrt und sein Glück in der Großstadt gesucht. Er war wild entschlossen, ein berühmter Buchautor zu werden. Daraus wurde jedoch nichts, so dass er zurück in das Haus seiner inzwischen verstorbenen Eltern kehrte. Zurückgelassen hat er damals auch seine große Jugendliebe, aber seine Hoffnung, wieder an alte Zeiten anknüpfen zu können, wird so nicht erfüllt. Es geht um Verlust, einfaches Leben in Einklang mit der Natur, um Schuld, Verzweiflung, Liebe und das Zusammenspiel fand ich sehr gelungen. Einerseits hat mich der Kriminalfall total gefesselt, andererseits mochte ich die Naturschilderungen so sehr. Es geht um große Emotionen und um Fehler - viele Fehler. Obwohl so viele Themen vorkommen, hat das Buch seinen roten Faden. Fast wären es die vollen fünf Sterne geworden, zwei Punkte haben mich dann aber doch gestört. Das Buch hüpft mittels Rückblenden in verschiedenen Zeitebenen. Diese sind zwar im jeweiligen Kapitel immer als Überschrift angegeben, nichtsdestotrotz haben mich die ständigen Sprünge beim Lesen sehr gefordert, ehrlich gesagt auch überfordert. Normalerweise komme ich damit gut klar, hier war es mir zu viel. Zweiter Kritikpunkt: im Buch gibt es ein fiktives indigenes Volk und das hat mir beständiges Bauchgrummeln beim Lesen bereitet. Warum erfindet man ein indigenes Volk? Zumal es für die Handlung auch keinen Mehrwert hat? Das hat sich für mich ungut angefühlt. Ansonsten habe ich das Buch jedoch sehr genossen!