
gwyn
«Und wenn es eine andere Geschichte gibt, verschüttet unter der, die ich zu kennen glaube?» Die Geschichte beginnt mit der Dinnereinladung, bei der Willa, 38, ihre vermisste Schwester wiederzuerkennen meint. Als Willa ein Teenager war, verschwand ihre Schwester Laika spurlos. Auch über zwanzig Jahre später hat Willa die Hoffnung nicht aufgegeben, dass Laika noch lebt. Hartnäckig sucht sie weiter nach ihr, hat dazu eine Website errichtet. Willa berichtet über die Ereignisse, glückliche Willa, Papas Liebling, der Laika misshandelt, eine versoffene Mutter, die sich nicht wehren kann. In der Mitte bricht die Geschichte und Laika erzählt ihre Version. Hier geht es um Wahrnehmung, ein spannendes Thema. Süffiger Roman mit einem herrlichen Ende … ja, das neue Rosenbeet … Willa hat eigentlich eine glückliche Kindheit, sie wird von ihren Eltern geliebt, von ihrem Vater vergöttert und sie hat eine liebenswerte Schwester. Leider ist die an allem schuld, so der Vater, der sie ständig maßregelt. Die Mutter ergibt sich dem Alkohol. Und dann verschwindet die 13-jährige Laika auf dem Weg zur Schule. Ist sie entführt worden? Dem Vater gehört eine gutlaufende Spedition. Aber es geht keine Lösegeldforderung ein. Ein landesweiter Medienrummel belastet die Familie. Nun kommt der Verdacht auf, das Mädchen sei ermordet worden, und so steht ein im Haus der Martenwoods tätiger Handwerker unter Verdacht. Dann hat man den Vater auf dem Kieker, was sich sehr geschäftsschädigend für ihn auswirkt. Am Ende verläuft die Suche im Sande. Wir wechseln zu Laika, die uns nun ihre spannende, turbulente Geschichte erzählt, wie sie sich durchschlägt, nach Frankreich kommt und eine neue Identität annimmt und sie lüftet ein böses Geheimnis. Dieser Teil hat mir richtig gut gefallen. Eine lebendig geschriebene Geschichte, ein Familiendrama um eine dysfunktionale Familie. Eine Schwester, die nicht loslässt, während ihre Eltern ihr fröhliches Leben stoisch weiterführen. Die andere Schwester, die sich freischwimmt, gezwungenermaßen ihr Leben in die eigene Hand nimmt und mutig als Teenager den eigenen Weg geht. 20 Jahre später treffen die Schwestern zufällig aufeinander, zwei die sich die ganze Zeit nacheinander gesehnt hatten. Atmosphärisch, und berührend, gute Unterhaltung! Sarah Easter Collins ist in Kent, England, aufgewachsen und hat in Exeter studiert, bevor sie nach Botswana und später nach Thailand und Malawi zog, um dort Kunstunterricht zu geben. Ihre große Leidenschaft neben dem Schreiben ist die Malerei. Für ihre Bilder lässt sie sich von Erinnerungen an Orte inspirieren, die ihr viel bedeuten, sowie von der Landschaft um sich herum: das wunderschöne Exmoor, eine faszinierende Heidelandschaft voller Moore und Wälder, wo sie mit ihrem Sohn Luke, ihrem Mann und ihren Hunden lebt. Hier liebt sie es, durch die unberührte Natur zu laufen und in den wilden Flüssen und Seen schwimmen zu gehen.