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«Gegen Dürre und Maulwurfsgrillenplagen, gegen das dreiblättrige Fingerkraut, den echten Mehltau oder Frosteinbrüche im Mai, gegen Stickstoffmangel, Buchsbaumzünsler, Expansionsbestrebungen der Wilden Karden und nicht zuletzt gegen den eigenen inneren Schweinehund, der mir immer dann ins Bein biss, wenn ich den Kompost umschichten sollte. Wobei botanische Feindseligkeiten selbst dann nicht ausblieben, wenn man einen nützlingsfreundlichen Naturgarten besaß und niemals die Chemiekeule schwang. Irgendwo herrschte immer Krieg.» Klaudia Blasl Giftpflanzen-Expertin und Krimiautorin berichtet in diesem humorvollen Gartenbuch über ihre Abenteuer mit ihren grünen Mitbewohnerinnen. Wenn einer einen Garten anlegt, genügend Platz hat sich auszutoben und dabei sehr belesen ist und ganz schlau nach Plan vorgeht, der hat genug zu erzählen, was in der Realität alles schief gehen kann. Wir erfahren, welche Auswirkungen das Tulpenfieber hatte, ob Kopfsalat in Schockstarre verfallen kann, weshalb man die Rose als Königin der Blumen bezeichnet, was man unter dem Maiglöckchen-Phänomen versteht, wozu man in Klostergärten den tödlichen Schierling kultivierte, was Tomoffeln sind und welche Pflanze als erste biochemische Kampfwaffe gilt. «Bilsenkraut besaß nämlich die für einen Säufer sehr unangenehme Nebenwirkung, die Schleimhäute auszutrocknen, weshalb man immer noch mehr trinken musste, um seinen ständig wachsenden Durst zu stillen. Ein Teufelskreis, der oft in der Hölle endete. Ibn Fadlan, ein Abgesandter des Kalifen von Bagdad, beschrieb diese exzessiven Bierorgien vor über tausend Jahren folgendermaßen: ‹Sie trinken dieses Bier Tag und Nacht bis zum Verblöden; oft geschieht es, daß einer stirbt, den Becher in der Hand.› Na Prost ... Erst das bayrische Reinheitsgebot 1516 beendete diese Giftmischereien und dadurch auch die Brauereikarriere des Bilsenkrauts, der seinerzeit beliebtesten Bierwürze Europas. Sogar die Stadt Pilsen soll ihren Namen diesem beliebten Zusatz verdanken. Den Weinliebhabern erging es kaum besser. Hatte der Rebsaft eine blässliche Farbe, besserte man mit Kermesbeeren nach, während süßer Honig vom toxischen Pontischen Rhododendron nicht nur die seinerzeit ausgeprägte Säure kaschierte, sondern auch für euphorische und erotisierende Zustände sorgte, nach denen man oft genug ins Gras oder zumindest ein Krankenbettlaken biss..» Wie gesagt, die Journalistin ist sehr belesen, entdeckt Kurioses zu ihren Pflanzen. Wer ihre witzigen Bücher über Giftpflanzen aus dem heimischen Garten kennt, weiß, was ich meine. Klaudia Blasl plaudert über ihren Erfahrungsschatz und lässt ihr Fachwissen mit einfließen. Wir erfahren Nützliches und Kurioses über die verborgenen Geheimnisse der Gartenpflanzen: Warum reagieren verwöhnte Rosen so gereizt auf Veränderungen? Was haben die alteingesessenen Gartenblumen bloß gegen zugereiste Exoten? Gibt es ein Bündnis zwischen Hülsenfrüchten und Zwiebelpflanzen? Und wieso erweisen sich unscheinbare Küchenkräuter oft als echte Alleskönner? Nach zahlreichen Pannen und Konfrontationen mit aufmüpfigem Grünzeug sieht sie ihre Pflanzen in einem neuen Licht. Sie erkennt, dass Pflanzen mehr sind als die Summe aus Blättern, Blüten und Wurzelwerk. Pflanzen sind geschichtsträchtige Geschöpfe, fähig zu unglaublichen Leistungen und mit durchaus menschlichen Eigenschaften. Sie stellen Besitzansprüche, lieben und hassen, sind frigide oder nymphoman und begehren nicht selten auch mal auf. Kein Wunder, dass so ein Garten nur selten nach der Pfeife der Gärtnerin blüht. Humorvolles für Hobbygärtner, die sich hier sicherlich wiederfinden können, Wissenswertes über Gartenpflanzen. Empfehlung «Wenn die Gärtnerin schläft, sät der Teufel Unkraut.» Klaudia Blasl kocht gerne und gut, noch lieber befeuert sie allerdings ihre Giftküche. Das Ergebnis ihrer kriminell-kulinarischen Leidenschaft sind schaurig-spannende Kriminalromane, sowie mörderische Abhandlungen über böse Blumen und gemeine Gewächse. Die Österreicherin lebt und mordet überwiegend im Südburgenland, wo sie auch einen eigenen Giftpflanzengarten betreibt.