
dajobama
Der Junge – Fernando Aramburu Ein neues Werk des spanischen Autors des Bestsellers „Patria“. Anders als jenes, ist dieses jedoch mit 256 Seiten ein eher schmales Bändchen. Es ist ein schreckliches Unglück, bei dem der sechsjährige Nuco, sowie 49 weitere Kinder und drei Lehrer, 1980 bei der Explosion im Keller seiner Schule ums Leben kam. Dieser Roman beschäftigt sich mit dem riesigen Verlust und den extrem unterschiedlichen Möglichkeiten für die Angehörigen damit umzugehen. Während Nucos Vater, Jose Miguel, die Ereignisse schnell hinter sich lassen will und Erinnerungen vermeidet, lässt die Mutter Mariaje der Verlust nicht los. Sehr verständlich, obwohl auch sie zur eher pragmatischen Sorte gehört. Besonders spannend fand ich die Figur des Großvaters Nicasio. Um nicht daran zu zerbrechen, weigert er sich einfach, den Tod des Enkels anzuerkennen. Weiterhin geht er mit ihm an der Hand spazieren und führt Gespräche mit ihm. Schwierig wird da vor allem der Kontakt mit seiner Tochter Mariaje, die davon nichts hören will. Und dann verschwindet Jose Miguel. Es ist eine verwobene Familiengeschichte, die immer wieder für eine Überraschung gut ist. Wie inhaltlich, ist dieser Roman auch erzähltechnisch extravagant. Nicht nur, dass die Geschichte immer wieder von unterschiedlichen Figuren aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden, nein, auch der Text selbst kommt zu Wort. Ein Roman, der zeigt, wie unterschiedlich Trauerarbeit aussehen kann. Sehr berührend und ruhig – extrem menschlich. Wunderbar erzählt. 5 Sterne