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lynn

Posted on 30.3.2025

Berührende Geschichte Die kleine Luzie schickt bei einem Ballonwettbewerb einen Luftballon mit einer berührenden Nachricht los. Und zwar hat sie ihren geheimen Wunsch aufgeschrieben: Sie hätte gerne einen neuen Papa, ihrer ist nämlich im Himmel. Geheim ist der Wunsch, damit ihre Mama, die sich doch so viel Mühe gibt, sich nicht unzulänglich fühlt. Luzie ist ein aufgewecktes, mutiges, entschlossenes, aber manchmal eben auch furchtbar trauriges Kind. Als Figur hat sie mir sehr gefallen und auch die Prämisse dieses Buchs finde ich wunderschön - nämlich diesen Ballon mit Luzies kindlicher Bitte. Neben Luzie sind da natürlich auch noch die Erwachsenen, zum einen ihre Mutter Miriam, die nach dem Tod ihres Mannes und dem Verlust ihres Jobs vor ziemlich vielen Herausforderungen gleichzeitig steht. Ihre Trauer, Erschöpfung, Entschlossenheit und allem voran die Liebe zu ihrer Tochter waren sehr einfühlsam und nachvollziehbar dargestellt. Dann gibt es noch Gabriel, erfolgreicher Autor mit Schreibkrise, eigentliche mehr Lebenskrise oder Sinnkrise, der mit Vorliebe tote Schriftsteller zitiert. Gerade Gabriels Innenleben waren für mich sehr berührend dargestellt, seine Einsamkeit, sein Hadern mit seinem Leben und der Welt. Er schafft es sich nach anfänglicher Antriebslosigkeit in eine komplizierte Geschichte zu verstricken – und in eine ganze Menge ziemlich großer Lügen. Normalerweise stört es mich sehr, wenn Menschen in einem Buch in so großem Stil angelogen werden. Und auch hier fand ich das am Anfang durchaus unangenehm. Allerdings war für mich auch wirklich nachvollziehbar dargestellt, wie Gabriel da hereingeraten ist und warum er sich nicht aus seinem Lügengeflecht befreien konnte. Beide Protagonisten sind nicht perfekt, Miriam nicht und Gabriel erst recht nicht - aber trotzdem habe sie als liebenswerte und - wahrscheinlich gerade deswegen - als authentische Charaktere empfunden. Nachdem die Charaktere und das Ausgangsszenario für mich ein großes Highlight waren, habe ich noch ein paar Kritikpunkte zur Erzählweise. Teilweise hat sich die Handlung für mich ein bisschen gezogen und gerade in den ersten Kapiteln habe ich mich gefragt, wann endlich etwas passiert. Auch der Prolog hat mich ein bisschen verwirrt zurückgelassen und ich bin nicht ganz sicher, in wieweit er zur Geschichte beiträgt. Mit dem Ende ging es mir dann genau anders herum. Hier hatte ich das Gefühl, dass es etwas schnell ging und wenig ausgeführt war. Einiges hätte ich mir etwas ausführlicher gewünscht, so bin ich doch mit ein paar offenen Fragen zurückgeblieben, beispielsweise zu Gabriels Vergangenheit und seinem Umgang damit. Insgesamt aber eine eher ruhig erzählte, sehr berührende Geschichte.

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