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dajobama

Posted on 29.3.2025

Im Schnee – Tommie Goerz Vor etwa einem Jahr konnte mich das Debüt des Autors von sich überzeugen, nun hat mir auch sein neues Werk „Im Schnee“ ganz hervorragend gefallen. Die Themen sind ähnlich: ein einsamer, alternder Mann, der auf sein gelebtes Leben zurückschaut und das ganz spezielle Einfühlungsvermögen, mit Tommie Goerz vom einfachen Leben auf dem Dorf und den einfachen Leuten erzählt. Die Totenglocke läutet für den Schorsch, der ein besonderer Freund des Ich-Erzählers Max gewesen ist. Wie das auf dem Land so üblich ist, gibt es eine Totenwacht für den Schorsch. Es wird sich erinnert und erzählt, getrunken und gelacht. Die Erinnerungen gehen teilweise weit zurück und betreffen oft die ganze Dorfgemeinschaft und schweifen auch häufig vom Schorsch ab. So eine Dorfgemeinschaft hält zusammen, komme, was wolle – und so gibt es auch die ein oder andere unschöne Geschichte, die da zu Tage kommt. „Doch, wenn man schweigt, kommt man sehr gut miteinander aus. Worüber man nicht spricht, das gibt es nicht. Alte Dinge rührte man nicht an. Man wollte, man musste ja zusammenleben.“ Der Autor liefert ein sehr authentisches Bild einer Dorfgemeinschaft – mit den positiven wie den negativen Seiten. Es scheint mir, ich bin in einem ganz ähnlichen Dorf aufgewachsen, denn ja, genauso war es und ich glaube dort und mancherorts ist es noch immer so – an solchen Orten laufen die Uhren einfach langsamer. Und so wie Tommie Goerz das erzählt, muss er dabei gewesen sein. Es ist die Sprache, der Umgangston, die Begebenheiten – als Städter kann man das gar nicht so schreiben. Es ist ein Abschied und die Rückschau auf ein Leben, auf ein Miteinander mit schrulligen Nachbarn, auf tragische Schicksalsschläge und fragwürdige Entscheidungen, die eigentlich keine waren. Denn „das war bei uns schon immer so“. Ein sehr leises, nachdenkliches Buch, das in weniger als 200 Seiten eine intensive Atmosphäre zaubert und sicherlich lange im Gedächtnis bleibt. Ganz große klasse, 5 Sterne!

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