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wandanoir

Posted on 24.3.2025

Kurzmeinung: Survivaltraining. Davon hätte ich gerne mehr gehabt. Echte Spannung kommt nicht auf. Ein leserfreundlicher, gefällig geschriebener Roman. Der etwas geheimnisvolle Titel erschließt sich erst ganz zum Schluss und ist etwas „windig“, bzw. schon sehr weit hergeholt. Davon abgesehen wird man von dem Roman gut unterhalten. Wohlfühlliteratur. Krimi ohne ekligen Gruselfaktor. Mag ich. Eigentlich. Um was geht es? Es sind zwei Kinder in zeitlichem Abstand voneinander, aber von ein und derselben Familie stammend, in den Wäldern des Adirondack verschwunden. Ermittlungsarbeit findet statt. Der Kommentar und das Leseerlebnis: Die Autorin wendet zwar nur relativ einfache erzählerische Mittel zur Informationsübermittlung an, es wird aus der Zeitung vorgelesen, es gibt zahlreiche Rückblenden verschiedener erzählender Personen und man erhält dadurch Einblicke in ihre gegenwärtigen Lebensumstände; Gespräche finden statt, mehr um den Leser zu informieren denn als überzeugende Interaktion zwischen den Figuren, die sich auf fast 600 Seiten erstaunlich wenig zu sagen haben, mit anderen Worten, die Dialoge sind rudimentär, - dennoch wirkt die Gesamtkomposition in all seiner Schlichtheit organisch, weil gut strukturiert. Es geht beim Schreiben von Romanen eben nicht nur darum, dass man viel zu sagen hat (als Autor) oder darum, dass man herausragende erzählerische Mittel besitzt – sondern immer wieder darum, mit dem Handwerkszeug, das man bereits erlernt hat, das Bestmögliche herauszuholen. Liz Moore hat das getan. Mit dem Handwerkszeug, das ihr zur Verfügung steht, hat sie gut gebaut. Was hat sie denn gut gemacht? Erstens wendet sie leserfreundliche Techniken an, einen Zeitstrahl über jedem Kapitel, damit der Leser sich leicht zurechtfindet. Zweitens stellt sie leicht unterscheidbare Protagonisten auf, drittens, sie versucht, sich dem Zeitgeist der jeweilig gewählten Zeit anzupassen. Viertens, sie ist naturnah. Wir sind im Wald. In einem Camp für Kinder wohlhabender Leute, die Survivaltraining erhalten. Dieser Part gefällt mir am besten, wenngleich ich hiervon gerne noch mehr gehabt hätte! Fünftens, streut sie diffuse Hinweise, Brotkrumen für die Leser, um ihn auf falsche Fährten zu locken und sechstens, sie schreibt phrasenlos, was ich bei Wohlfühlliteratur besonders schätze. Der Stil ist schlicht, aber schlicht muss man auch erst mal können. Kann man es nicht, wird’s plump und plump ist Liz Moores Stil nicht. Obwohl Liz Moore in „Der Gott des Waldes“ Reich gegen Arm aufstellt, Privilegiert gegen Unterprivilegiert, übertreibt sie es mit der Gesellschaftskritik nicht. Ja, ehrlich gesagt, ist sie mir sogar zu leise. Dennoch liest man die Überheblichkeit derjenigen, die mit dem goldenen Löffel im Mund geboren sind, nicht nur zwischen den Zeilen heraus, so dass dieser Roman etwas über einen reinen Whodunnit hinausreicht. Leider sind die Figuren für meinen Geschmack etwas zu plakativ geraten und die Schlussszenen wirken überspannt. Und das ist meine eigentliche Kritik. Der Roman liest sich für mich ein wenig wie die Abschlussarbeit bei einem Workshop für Kreatives Schreiben. Ein durchaus gelungener Text, der das Gelernte sehr gut umsetzt – aber dann keinen passenden Deckel findet. Der Deckel (also das Ende) scheppert ganz gewaltig. Fazit: Vieles richtig gemacht, es ist aber noch ein bisschen Luft nach oben. Kategorie: Wohlfühlliteratur mit moderatem Spannungsfaktor Verlag: C.H. Beck, 2025

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