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dajobama

Posted on 21.3.2025

Schweben – Amira Ben Saoud Eine wirklich spannende Dystopie in einer postapokalyptischen Gesellschaft. Der Klimawandel ist Geschichte, Gewalt wurde verboten, überhaupt existiert nur noch ein Bruchteil der Menschheit in voneinander isolierten Siedlungen. Nur so ist ein miteinander auskommen scheinbar möglich. Protagonistin dieses Romans ist eine Frau, die sich an ihren ursprünglichen Namen nicht mehr erinnern kann. Dafür verdient sie ihr Geld damit, die Identität anderer Frauen anzunehmen. Bezahlt wird sie dafür von den Müttern, Ehemännern, etc. die nicht mit dem Verlassen werden durch ihre Angehörigen zurecht kommen. Unsere Figur nimmt die Sache sehr ernst – sie passt Frisur und Make-Up an, auch das Gewicht, sie studiert das Verhalten der Frauen und schlüpft so völlig in ihre Rolle. Spannend. Etwas in der Richtung habe ich noch nie gelesen. Es ist erfrischend und innovativ. Und obwohl die Protagonistin ihre Identitäten wechselt, ist sie dadurch nicht unnahbar. Im Gegenteil konnte ich mich überraschend gut in sie hineinversetzen. Dabei hilft es enorm, dass Sprache und Worldbuilding sehr gut zugänglich sind. Eigentlich ein Kunststück bei diesen doch fremd und neuartig anmutenden Gegebenheiten. Noch spannender finde ich die existentiellen Fragen, die hinter der Geschichte um die unterschiedlichen Identitäten der Figur stecken. Es geht um Beziehungen und Wahrhaftigkeit. Dabei sind die Charaktere sehr authentisch und vielschichtig dargestellt. Es sind einfach ganz normale Menschen mit Fehlern und Kanten – auch in dieser postapokalytischen, neuen Welt. Dieser Roman hat mich sehr beeindruckt. Mit nicht einmal 200 Seiten ist er unheimlich komplex. 5 Sterne.

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