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Ein Roman, der es in sich hat. Wer leicht besaitet ist, lieber liegen lassen. Hier wird im wahrsten Sinne des Wortes keiner mit Samthandschuhen angefasst. “Unsere Großmütter hatten uns oft gesagt, egal, wie glühend wir andere beneideten, würden wir alle das Bündel unserer Sorgen auf einen Haufen werfen, und jeder dürfte sich ein beliebiges Bündel aussuchen, dann würden wir am Ende doch zu unserem eigenen Sorgenbündel greifen, garantiert. Wir waren uns nie sicher, ob unsere Großmütter recht hatten” (S. 22) Wir lernen eine reiche Familie kennen, die in einem wohlsituierten Ort auf Long Island leben. Reich, überheblich, jüdisch und alle mit Dachschaden. Und diesen Dachschäden geht das Buch nach. Der Auslöser allen Übels ist eine Entführung des Vaters, Carl, im Jahr 1980. Prägt alle, keiner spricht drüber. Ein Sprung in die Gegenwart. Nach und nach lernen wir alle drei Kinder kennen und was sie umtreibt, wie sie ticken und was ihre dunkelsten Geheimnisse sind. Da ist der große Bruder Nathan, sehr ängstlich, immer auf der Hut, dass etwas passieren könnte. Arbeitet in einer großen Kanzlei in Manhattan, aber ist eigentlich menschenscheu. Dann der aufmüpfige mittlere Bruder, der nur Beamer genannt wird. Sunnyboy, Drehbuchschreiber in Hollywood, mittlerweile weit weg von seiner Mischpocke und versucht sich selbst auf irritierende Weise zu kontrollieren…lest selbst. Und dann die jüngste im Bunde, die schlaue Jenny. Sie geht an die Uni, kommt aus dem Studieren nicht raus, weil sie nicht so recht weiß wohin mit sich und wird am Ende noch Gewerkschaftsvertreterin. Beziehungsunfähig und trotz hohem IQ nicht in der Lage ihre eigenen Traumata zu bearbeiten. Alles beginnt mit Müttern und endet mit ihnen und so hat der „wrap up“ am Ende einen fulminanten Schlusspunkt. Filmreif und gelungen. “Sie alle setzten den Umwelt-zerstörenden, Klima-verändernden, die-Wirtschaft-in-den-Abgrund-treibenden, Seelen-vernichtenden amerikanischen Lebensstil fort, zu dem sie von Anfang an erzogen worden waren.” (S. 407) Insgesamt findet die Autorin Taffy Broadesser Akner eine leichte Sprache für ihre Kritik an der unbedarften Art der Reichen wie sie sich selbst ins Verderben treiben lassen und sich auch noch der Opferrolle bedienen. Sozial sehr kritisch und doch unheimlich unterhaltsam und witzig. Ich habe sehr oft laut gelacht bei diesem Roman. Spannend fand ich auch die interessanten alltäglichen Elemente, die durch das Jüdische hinzukommen, wenn dort eine Bar Mizwa vorbereitet wird. Nicht zu vergessen die sehr gute Übersetzungleistung von Sophie Zeitz! In dem Sinne: „Aber was willst du machen? So sind die Reichen.” (S 44 und noch mal weiter hinten…)