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Fina

Posted on 17.3.2025

Gestaltung: Das Buch ist wunderschön gestaltet und macht einen hochwertigen Eindruck. Das Originalcover wurde hier übernommen und es könnte auch gar nicht zutreffender für die Geschichte sein. Es handelt sich um ein nacktes Hardcover mit Folienveredlung und in der ersten Auflage gibt es einen sehr passenden Farbschnitt. Innen gibt es eine Landkarte von Tiran sowie eine Zeichnung des Formelographen - ich liebe solche Details! Für mich ist die Ausgabe rundum gelungen. Für alle, die gerne im Taschenbuch lesen, kommt bereits im Oktober 2025 die Taschenbuchausgabe auf Deutsch raus. Darum geht's: Ich kann nur empfehlen, dass ihr vorab so wenig wie möglich über diese Geschichte wisst, umso größer ist der Lesespaß, diese besondere Fantasywelt gemeinsam mit Sciona zu entdecken. Sciona ist unsere Protagonistin, die durch ihren hellen Geist und ihren eisernen Willen zur ersten weiblichen Hochmagierin von Tiran ernannt wird. Nun kann sie mit den mächtigsten Männern des Landes eine Zauberformel suchen, um den Schutzzauber der Stadt auszuweiten. Doch kurz nach ihrer Ernennung entdeckt Sciona eine düstere Wahrheit, die dafür sorgt, dass sie ihr gesamtes bisheriges Leben in Frage stellt... Idee/ Umsetzung: Wo fange ich nur an?! Von der Idee bis zur Umsetzung ist dieses Buch etwas ganz besonderes. Die Autorin kreiert hier eine komplexe Fantasywelt, die geprägt ist von der Dominanz des männlichen Geschlechts sowie einem neuartigen Glaubenssystem mit unterschiedlichen Göttern. Die Magie ist vor allem technisch geprägt und kann durch sogenannte Formelographen aus der Anderwelt gefördert werden. Diese Fähigkeit beherrschen nur wenige Menschen, aber durch die Magie wird alles in Tiran am Laufen gehalten: Von der warmen Tasse Tee bishin zu der Fortbewegung der Fahrzeuge ist alles auf der Magie begründet. Es lohnt sich sehr, diese Welt durch Scionas Augen kennenzulernen, denn am Anfang der Geschichte bekommt sie als neue Hochmagierin einen Assistenten an die Seite gestellt und auch ihm erklärt sie das fremdartige Magiesystem und den Formelographen, sodass wir neugierig über die Schulter schauen dürfen. Obwohl die Welt Tirans recht komplex ist durch die sehr eindrücklich beschriebene Historie des Landes, der Götter und der Magie konnte ich jederzeit gut folgen und M. L. Wang hat für mich das perfekte Erzähltempo gefunden. Das Setting mutet eher historisch an und hat manchmal gewisse Impressionen der Industrialisierung, ist meines Wissens nach aber nicht wirklich einem Zeitalter zuzuordnen, da der technische Fortschritt unmittelbar mit der Magieförderung zusammenhängt. Die Autorin drückt bei gewissen gesellschaftlichen Themen den Finger tief in die Wunde, was dieses Werk so wunderbar übertragbar macht auf unsere Welt. Deshalb kann ich das Buch sogar den Menschen empfehlen, die nicht so viel mit Highfantasy anfangen können. Gesellschaftskritik hinsichtlich des Patriarchats und des Feminismus, der Kolonialisierung sowie einer Mehrklassengesellschaft sind zentrale Themen der Handlung. Dabei fließen diese mal sehr deutlich, mal subtiler ein und haben mich zum Nachdenken angeregt. Ich hätte mir noch ein Nachwort der Autorin gewünscht, welche Ideen sie zu der Geschichte inspiriert haben. Figuren: Die Figuren dieser Geschichte sind komplex und unbequem. Allen voran Sciona als Hochmagierin habe ich gleichermaßen bewundert wie zwischenzeitlich verabscheut. Ihre Gedankenwelt ist sehr interessant zu beobachten und äußerst komplex. Sie befindet sich immer wieder im Zwiespalt zwischen dem, was sie bisher gelernt hat, und dem, was sie an neuen Wahrheiten aufdeckt. Am Ende habe ich vor allem Respekt für sie und ihre Entscheidungen und werde noch lange an diese kluge, starke Frauenfigur zurückdenken. Auch die anderen Figuren dieser Geschichte sind sehr gelungen, hervorheben möchte ich Scionas Assistenten Thomil, ohne weiteres über ihn preiszugeben. Sciona und er sind ein Duo wie Feuer und Wasser und machen diese Geschichte genau zu dieser ungleichen Mischung. Weitere Nebenfiguren werden teilweise näher beleuchtet, teilweise auch nur angeschnitten, aber sind prototypisch für Stimmungsbilder und Meinungen der Gesellschaft, was der Geschichte viel Dimension und Komplexität verliehen hat. Das Ende des Buches war für mich perfekt gewählt und ebenso bittersüß wie der Rest der Geschichte - einfach emotional aufwühlend. Fazit: So kryptisch meine Rezension auch ist, weil ich bloß nicht zu viel verraten möchte und euch genau die Momente des Staunens wünsche, die ich erlebt habe, hoffe ich, dass meine Begeisterung für die Geschichte durch die Zeilen spürbar wird und ich euch dieses Buch nur wärmstens empfehlen kann! Solltet ihr Fantasy lieben, dann lest dieses Buch. Solltet ihr Fantasy noch nicht für euch entdeckt haben, ist dieses Buch ebenso toll, um einen Einstieg zu finden, in dem Fantasy uns einen Spiegel der Gesellschaft vorhält. Ich wünsche euch ganz viel Spaß bei der Lektüre!

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