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daniliest

Posted on 15.3.2025

Durch den beschrifteten Farbschnitt sticht Jon Atli Jonassons „Schmerz“ direkt ins Auge. Die ansonsten minimalistische Covergestaltung verleiht dem Buch eine edle Optik. Ich mag es, wenn Charaktere Ecken und Kanten haben und die beiden Hauptfiguren Dora und Rado sind alles andere als 08-15. Dora wurde bei einem Einsatz schwer verletzt. Seit dem arbeitet ihr Hirn in seiner eigenen Logik. Ihre Emotionen sind ständig over the top, sie schwankt zwischen Gleichgültigkeit und überlaufenden Emotionen. Gerade weil sie so speziell ist, habe ich Dora schnell ins Herz geschlossen. Ich mochte, wie ehrgeizig sie an Fällen arbeitet und wie sie hinterfragt, ob ihre Kollegen vielleicht Recht haben, in dem sie ihr Ermittlungen außerhalb des Schreibtisches nicht mehr zutrauen. Was Dora in der Vergangenheit widerfahren ist, ist schlimm, aber was ihr in „Schmerz“ passiert, war noch heftiger und ich war schockiert, welche Wendung der Autor sich hat einfallen lassen. Dadurch wurde Dora definitiv zu einem Charakter, den man so schnell nicht vergisst. Am Anfang konnte ich mir nicht vorstellen, wie aus Dora und Rado ein Team werde soll. Denn obwohl Rado Dora nur vom sehen kannte, begegnet er ihr zunächst mit Vorurteilen und etwas abfällig. Dies ändert sich allerdings schnell, als etwas Einschneidendes passiert. Ich fand es schön, wie aus Schuldgefühlen echte Zuneigung wurde und wie Rado Dora unterstützt und ihr hilft, sich im Leben zu integrieren. Was die beiden Hauptcharaktere anbelangt, fand ich diese neue Serie sehr gelungen und ungewöhnlich. Hinsichtlich des Kriminalfalls hat mir der rote Faden gefehlt. Um was genau soll es gehen? Um ein verschwundenes Kind oder um eine Drogenbande? Die Sache mit dem Kind ist zwar das ganze Buch über präsent aber es geht bis kurz vor Schluss nie etwas vorwärts und die Handlung um Morgan nimmt generell sehr wenig Raum ein. Außer Dora scheint sich sich niemand für das Verschwinden zu interessieren und aus gesundheitlichen Gründen kommt sie auch nicht groß dazu, an dem Fall zu arbeiten. „Schmerz“ legt den Fokus zu 90 % darauf, dass wir die Charaktere dieser neuen Serie und deren Background kennenlernen. Dass es außerdem noch einen aktuellen Kriminalfall gab, habe ich teilweise sogar vergessen. Macht aber eigentlich nichts. Ich fand es sogar gut, dass der Aufbau und die Protagonisten ganz eigenen Regeln folgen. An diesen Krimi kann ich mich sicherlich länger erinnern und ich freue mich, dass auf der Innenseite des Umschlags bereits eine Werbung für Band 2 „Gift“ abgebildet ist.

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