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Darum geht es: Branwen Blythe ist siebzehn, lebt in Wales und hat eine krebskranke Schwester. Doch was niemand weiß: In Wirklichkeit ist Branwen eine Seele namens Evelyn und nicht siebzehn, sondern über tausend Jahre alt. Wobei es durchaus jemanden gibt, der über Evelyns wahre Existenz Bescheid weiß. Arden. Eine ebenso unsterbliche Seele und der Grund dafür, dass Evelyn niemals ihren achtzehnten Geburtstag erlebt. Doch dieses Leben soll anders werden. Kein weiteres Mal möchte Evelyn auf Arden hereinfallen, der nicht nur ein kaltblütiger Killer ist, sondern auch die Liebe ihres Lebens. Aber wie nimmt man sich vor einer Seele in Acht, von der man nicht weiß, in welchem Menschen sie in diesem Leben wohnt? Und wie kann Evelyn ihrem Schicksal endlich entkommen, wenn nur Arden die Wahrheit darüber kennt? Meine Meinung: Ich war ziemlich schnell von OUR INFINITE FATES begeistert. Vielleicht nicht gleich nach dem Prolog, denn der war mit seinem Erzählstil wenig greifbar und macht erst rückblickend wirklich Sinn. Aber als der Roman dann wirklich begann, wir Evelyn kennenlernen und klar wird, dass die Geschichte in der Ich-Erzählung und komplett aus ihrer Perspektive geschrieben ist, war ich schnell im Bann der Story. Leider hielt die Begeisterung nicht ewig an. Etwa ab der Hälfte des Buches gesellten sich die ersten Zweifel hinzu. Und zum Ende hin überwogen sie. Das absolute Highlight dieses Buches waren für mich die Zeitsprünge. Etwa die Hälfte der Kapitel spielt in der Gegenwart in Wales, die restlichen Kapitel sind Einblicken in die zahlreichen bisherigen Leben von Evelyn und Arden. Es wechselt sich meist ein Kapitel aus Wales mit einem Kapitel aus einer vergangenen Zeit ab. Das Spannende ist, dass es immer nur ein Kapitel pro vergangenes Leben gibt und diese Kapitel fühlen sich wie eine Art Kurzgeschichte innerhalb des Romans an, denn die Autorin schafft es, in nur einem Kapitel so viel Atmosphäre und Gefühl und schlichtweg Greifbarkeit zu vermitteln, dass man alles begreifen kann, was dieses Leben ausgemacht hat. Außerdem fand jedes Leben an einem anderen Ort statt. Mal sind Evelyn und Arden reich, mal arm. Mal sind sie gleichgeschlechtlich, dann wieder nicht. Mal ist Evelyn ein Junge, mal ein Mädchen. Mal leben sie in der Stadt, mal in der Wildnis. Auch geschichtliche Kontexte werden perfekt eingeflochten. Und so behandelt das Buch eine Vielzahl und Vielfalt an Themen und regt immer wieder zum Nachdenken an. Leider hat mir die Gegenwartshandlung weitaus weniger gefallen als die Vergangenheitsgeschichten. Evelyn beziehungsweise Branwen war für mich kein völlig glaubhafter Charakter, denn im Gegensatz zu Arden merkt man ihr nicht an, dass sie schon so viele Leben und Schicksale gesammelt hat. Auch war sie total passiv bezüglich ihres besonderen, tragischen Schicksals, was nicht logisch ist. Und dieser nicht ganz stimmige Charakter von Evelyn zeigt ein Grundproblem, das mir beim Lesen aufgefallen ist: Die Ideen von der Autorin sind genial, aber sie wurden nicht zu Ende gedacht. Vieles wirkt nicht ausgereift, nicht von allen Seiten bedacht und so kratzt das Buch insgesamt nur an der Oberfläche. Sehr gefehlt hat mir auch Ardens Perspektive. Er bleibt ein völlig fremder Charakter für mich, den man schwer einschätzen kann. Dass er so dargestellt wird, mag zwar als Spannungselement gedacht sein, aber das hätte trotzdem anders, besser gelöst werden können. Auch die Romanze zwischen den beiden Hauptfiguren war überhaupt nicht greifbar, weil man Arden nicht genug kannte, um ihm zu trauen und auch, weil die Handlung zu temporeich ist. Die Dinge entwickeln sich nicht allmählich, sondern verändern sich innerhalb eines Kapitels komplett, sodass man die Geschichte nicht miterlebt, sondern als stiller Beobachter hinterherhängt. Mein Fazit: Ich habe OUR INFINITE FATES wirklich schnell gelesen, weil ich all die Einblicke in vergangene Leben geliebt habe und so gespannt auf die Auflösung hinter dem Schicksal von Evelyn und Arden war. Dabei fand ich den Roman unterhaltsam und diese leise Poesie im Schreibstil passt perfekt zu der übernatürlichen Handlung und dem Charakter der Figuren. All diese tollen Ansätze hätten das Buch wirklich zu einem Highlight machen können, wäre nicht alles so knapp und zügig gehalten. Der Roman hätte eine zweite Perspektive gebraucht. Und mindestens die Doppelte Länge. Das hätte mehr Tiefe gebracht und die Handlung entschleunigt, damit sich die Wirkung der Geschichte so ausfalten kann, wie sie es verdient hat. In diesem Sinne: Netter Versuch, aber mehr als 3 Sterne kann ich dafür nicht geben.