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gwyn

Posted on 13.3.2025

«Als ich Twister entdeckt hab, dachte ich, ich kann endlich alles, was ich mag, mit anderen teilen … ohne Ambitionen. Ohne Filter. Ohne Geld. Nur zum Spaß …» Doug, ein ehemaliger Fotograf lebt von der Öffentlichkeit zurückgezogen in den schottischen Highlands. Niemand liked seine Fotos, er ist frustriert, darum hat er seit 17 Monaten nichts veröffentlicht. Doch dann fotografiert er durch Zufall am See vor seiner Haustür ein seltsames Wesen – und teilt den Schnappschuss im sozialen Netzwerk «Twister». Danach geht er duschen, kommt zurück, kann es nicht fassen: «150.237 Personen haben auf ihren Post reagiert; 348.069 mal geteilt». Sofort bereut er seinen Post. Er ahnt, was nun geschehen wird, er hat Büchse die Pandora geöffnet … Er löst mit dem Foto eine Lawine an Ereignissen aus, deren Folgen niemand ahnen konnte. Auf einmal stürmen Journalist:innen, Umweltschützer:innen, misstrauische oder auch einfach nur neugierige Menschen den kleinen Ort, um die geheimnisvolle Kreatur zu sehen. Die Hysterie der sozialen Medien verwandelt die abgeschiedene Idylle in ein Tollhaus. Mit #Erstkontakt hat Bruno Duhamel gezeigt, wie ein Beitrag in Social Media außer Kontrolle gerät. Erst heißt es: Ein Spinner, so was gibt es doch gar nicht, das ist gefotoshoped! Doch alle Metadaten, die von Sachverständigen geprüft werden, entpuppen sich als echt. Das Monster scheint er ral zu geben. Nessi? Ein Außerirdischer? Ein atomverstrahltes Tier? Oder hat man im benachbarten Gentechnik-Labor gepfuscht? Auch die Tierschützer:innen, Umweltaktivist:innen und Apokalyptiker:innen sind sofort auf dem Plan. Doug will schlicht seine Ruhe haben – doch die Journalist:innen gehen ihm kräftig auf die Nerven. Doch der Laden gleich nebenan freut sich über das Geschäft, das bringt Touristen in die Region. Und dann rückt auch noch das Militär an. Trotz aller Ernsthaftigkeit ist die Graphic Novel ziemlich humorvoll, inclusive der Zeichenstil. Der Hunger nach Likes treibt Doug an – und er merkt auch gleich, welchen Fehler er gemacht hat, als er sein Foto viral schickt. Zu spät, ein Click, und die Sache nimmt ihren chaotischen Lauf. Selbstreflexion für sein Handeln in Social Media ist das Thema, und das ist ziemlich gut gelungen. Herrlich, wie er sich am Anfang ärgert, wie Katzenbilder geliked werden, sich niemand für seine Naturaufnahmen interessiert. Ein herrlicher Comic, fast ein Cartoon, nimmt mit schwarzem Humor Social Media und Aktivist:innen diverser Gruppen auf die Schippe. Bruno Duhamel wurde 1975 in Mont-Saint-Aignan in der Normandie geboren. Er studierte Bildende Kunst mit dem Schwerpunkt Comic in Paris und Angoulême. Nach Erfahrungen in einem französischen Videospielunternehmen schlug ihm Brrémaud, der Autor der Serien Kochka, Butch Cassidy und Harlem, eine Zusammenarbeit vor. Nach seinen Szenarien veröffentlichte Duhamel mehrere Bände, bevor er 2017 mit Le retour seinen ersten selbst geschriebenen Comic vorlegte. Mit Kris setzte Duhamel als Zeichner die Science-Fiction-Comicserie Die Zeitbrigade (All-Verlag) um. 2018 folgte sein viel beachtetes Werk Jamais, das 2021 in der deutschen Veröffentlichung Niemals im avant-verlag erschienen ist und für das der Autor 2020 den Francomic-Wettbewerb gewann. Seit diesem Start der Duhamel-Reihe sind im Folgejahr das Album Falsche Fährten und 2023 als Fortsetzung von Niemals, Niemals D-Day im avant-verlag erschienen.

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