
hundertmorgenwald
Karl und seine Freundin Elsa wohnen im gleichen Haus in der Andersgasse. Hier gibt es allerhand fantasievolle Figuren, wie einen unsichtbaren Mann oder eine Hexe. Auch die Menschen in der Nachbarschaft scheinen so ihre Geheimnisse zu haben. Karl und Elsa versuchen, alles zu erforschen. Sie sind Geheimdetektive. Am Anfang fand ich das Buch großartig! So voller Fantasie! Die Brillenschlange, die in der Handtasche wohnt und die Flusenwutze, die jeglichen Dreck auffressen. Die böse Hexe, in der Wohnung über Karl, der alte Seefahrer, mit seinen ganzen Geheimnissen. Doch ab der Hälfte ungefähr wurde das Buch langweilig. Ja, Karl versuchte herauszufinden, wer die Samen einer sehr gefährlichen Pflanze gestohlen hat. Aber die Figuren erreichten mich nicht mehr. Sie blieben alle eindimensional. Doch am schlimmsten war, dass es eine ganz merkwürdige Psychodynamik bekam. Karl klaute. Und das in vollem Bewusstsein über seine Tat, auch wenn er es sich natürlich schönredete. So wie es die meisten Menschen tun, die wissentlich was Falsches machen. Das Ganze zog auch prompt eine mittlere Katastrophe nach sich. Doch statt nun hier die Richtigstellung kommt, Karl sieht ein, dass es falsch war, bereut die Tat und will sich ändern, setzt er noch eins drauf. Er begeht eine weitere Untat und, um nicht zu spoilern mal etwas schwammig gesagt, von sich abzulenken. Ich hätte besser damit leben können, wenn Karl ganz naiv gedacht hätte: "Oh cool, das probiert ich einfach mal aus". Dann hätte man ihn vielleicht für etwas doof gehalten, aber das finde ich nicht so schlimm, als wenn jemand im vollen Bewusstsein etwas Unrechtes tut. Zudem er im Vorfeld ja noch die Diebe gejagt hat, weil er weiß, das ist Unrecht. Und dann tut er genau dasselbe. Dazu kamen für mich noch ein paar Logikfehler. Klar, es ist ein Kinderbuch, aber in welcher Welt steht z. B. die Schultür nachts offen? Oder Karl will nachts etwas tun, aber er sieht gegenüber im Haus jemand im Fenster stehen und ihn beobachten. Also legt er sich nochmal eine Stunde hin. Aber das, was er machen will, macht er in seiner Wohnung. Wo ist dann das Problem, dass die Nachbarin aus dem Fenster schaut? Sie kann ja nicht durch Wände gucken. Auch ein wichtiger Punkt, bei ängstlichen Kindern wäre ich mit dem Buch vorsichtig. Weil es viele gruselige Figuren gibt, die aber nicht aufgelöst werden, im Sinne von, "Ach, die Nachbarin gegenüber hat ihn ja gar nicht beobachtet, es war nur ein Schatten" und auch nicht überwältigt werden und einfach weiter da leben dürfen. Wie die böse Hexe, wegen der Elsa sich nicht alleine in den Hausflur traut und vor der selbst seine Tante Angst hat.