
hundertmorgenwald
Das Buch wird aus drei Perspektiven erzählt. Kobas Boss schickt ihn und ein paar andere Jungs, von Georgien nach Berlin, um die Häuser der Reichen leerzuräumen. Koba versteht sein Handwerk. Doch er hat auch eine sensible Seite und die hat in dieser Branche keinen Platz. Lippold dagegen ist skrupellos. Er kommt gerade aus dem Knast und versucht sich nun ein neues Leben aufzubauen. Als angeblicher Kunstkenner versucht er den Schönen und Reichen wertlose Bilder für viel Geld zu verkaufen. Romina ist Polizistin und kommt aus einer Sinti und Roma Familie. Als ihre kleine Schwester nicht nach Hause kommt, macht Romina sich auf den Weg und ermittelt in eigener Angelegenheit. Am Anfang hat mir das Buch richtig gut gefallen. Besonders die Sicht von Koba und Lippold. Ich fand es sehr spannend, die möglichen Gedankengänge von Kriminellen zu verfolgen. Romians Perspektive war von Anfang an die Schwächste und wurde mit der Zeit immer schlimmer. Voll von Klischees, die mich gegen Ende echt sauer gemacht haben. Es fängt schon damit an, dass Romina sich mit 29 Jahren in eine noble Gegend versetzten ließ, um eine „ruhige Kugel zu schieben.“ Wer geht denn zur Polizei, um eine ruhige Kugel zu schieben? Da gibt es weniger anstrengende Jobs/Ausbildungen. Dann immer wieder die Andeutungen, dass sie aufgrund ihrer Herkunft natürlich zur Kriminalität neigt. Bzw. generell, dass ihre Sippe ja gar nicht anders kann. Das macht mich echt sauer. Genau so schürt man Vorurteile. Wenn man das schon so in den Raum stellt, sollte man auch erarbeiten, warum manche (!) zur Kriminalität neigen und es nicht so darstellen, als ob es in den Genen liegt und selbst die Polizistin nicht anders kann. Gegen Ende wurde die Darstellung von Romina immer wilder. Sie geht völlig kopflos vor, ohne Plan und Verstand. Völlig unglaubwürdig! Jeder, der nur ein bisschen Grips im Hirn hat, würde nicht so handeln. Und als Polizistin schon gar nicht. Auch Lippolds Perspektive kommt nicht ohne Klischees aus. Natürlich haben die Reichen alle keine Ahnung von Kunst, geben aber Tausende dafür aus. Selbst die Kunsthistorikerin hat keine Ahnung. Ich will gar nicht absprechen, dass viele sich damit nicht auskennen. Kunst einordnen zu können, ist eben auch nicht leicht. Wer von uns Lesern könnte eine echte Erstausgabe von Thomas Mann von einer nachgemachten unterschieden? Aber auch ansonsten wird die Highsociety eher als Dorftrottel dargestellt. Darüber hätte ich noch hinwegsehen können. Aber eine ganze Sippe zu verurteilen, geht in meinen Augen überhaupt nicht. Wegen Kobas Perspektive gibt es zwei Sterne statt einen.