
Casaplanca
Das Schweigen durchbrechen "Portrait meiner Mutter mit Geistern" von Rabea Edel ist ein Buch, über das ich noch sehr lange nachgedacht habe, es hat einen Nachhall in mir erzeugt, eine Wirkung. Das schafft beileibe nicht jedes Buch. Es war nicht einfach zu lesen, vieles wurde angedeutet, nicht ausgesprochen, der Fantasie der Lesenden überlassen, aber vielleicht macht das ja auch einen Teil der Geschichte aus. Denn auch die Frauen hier wussten nur immer einen Teil der Geschichte. Diese Geschichte hier ist eine Geschichte der Frauen einer Familie, obwohl es hier natürlich auch Männer gibt, es sind 5 Generationen von Frauen. Die jüngste hier, Raisa, beginnt ihre Vergangenheit zu hinterfragen und stößt auf eine Mauer aus Schweigen und auch Lügen, die sie nur mit viel Geduld abbauen kann. Teil für Teil kommt dann eine Geschichte heraus, eine Geschichte über den Krieg, über die Flucht und das Fremdsein, über Gewalt und über Schweigen, eine Geschichte über ungelebte Leben. Das Buch ist sehr schwer in Worte zu fassen und auch beim Lesen springen wir in der Zeit hin und her. Geholfen hat mir hier der abgedruckte Stammbaum, sonst hätte ich mich zwischen Müttern und Töchtern und Großmüttern verirrt. Hier muss man mit Konzentration lesen, aber es lohnt sich. Es entfaltet sich nicht nur eine Familiengeschichte, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte, Schicht für Schicht, selbst zu erarbeiten. Es ist keine fröhliche Geschichte, sie ist teils schwer zu ertragen, all der Kummer, das Leid, der Schmerz und dann das Schweigen und die Weitergabe an die nächste Generation. Und doch macht das Buch Hoffnung, macht Mut, fordert zum reden auf, auch über die Geschichten in der eigenen Familie. Wahrscheinlich ein Buch zum nochmaligen, wiederholten Lesen, um alles zu verstehen und zu verknüpfen.