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buchfan

Posted on 6.3.2025

Dieser Roman entführt den Leser in ein farbenprächtiges, vibrierendes, mächtiges und brutales Venedig im 17. und 18. Jahrhundert. Anna Maria wird als Baby im Waisenhaus abgegeben und wächst in der klösterlichen Enge und mit vielen Pflichten auf. Zum Alltag in der Pieta zählt aber auch eine gute Schulbildung und Musikunterricht. Dies ist längst nicht üblich für Mädchen dieser Zeit. Anna Maria wird eine virtuose Geigerin und arbeitet eng mit Vivaldi, der schnell ihr Talent erkennt, sie fördert und letztlich auch ausnutzt. Er bedient sich an ihrem Talent, ihren Kompositionen und Ideen. Als sie ihren Platz einfordert, lässt er sie fallen. Anna Marias Figur ist ein facettenreicher, schwieriger Charakter. Sie ist talentiert, mutig, stark, aber auch von einem Ehrgeiz getrieben, der seinesgleichen sucht. Neidisch schaut sie auf andere Schülerinnen, schiebt sie zur Seite und ist lange Zeit nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Sie wäre mir sicher nicht sehr sympathisch gewesen. Doch ohne diesen unbedingten Willen, diesen Glauben an das eigene Können, wäre sie sicher nicht so weit gekommen. Besonders berührend fand ich die Freundschaft zu Agata und Paulina. Als Kinder sind sie wie Drillinge. Doch Anna Maria ist nicht da, als die Freundinnen sie brauchen, sie lässt beide im Stich. Den Verlust von Agata hat sie nie verwunden. Diese Facette zeigt sehr viel Gefühl. Neben der sehr interessanten Geschichte um die Waisenmädchen und die Musik nimmt auch Venedig einen großen Stellenwert ein. Die Beschreibung der Stadt, der Kanäle und Gassen lässt gleich das Bild der schönsten Stadt der Welt vor meinen Augen entstehen. Eine wundervolle Reise in die Serenissima und in die Welt der Musik.

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