
sursulapitschi
Ich bin grundsätzlich Fan von Johannes Groschupfs Krimis, weil er so wunderbar atmosphärisch schreibt. Man bekommt viel mehr als einen Krimi erzählt, man kann auch in finsterste Ecken Berlins abtauchen und erlebt hautnah, wie es da so ist. Hier hat mir dieses Erlebnis gefehlt. Es ist noch immer ein gut erzählter Krimi, aber ich war nicht so nah dran. Die Polizistin Romina Winter kannte ich schon aus dem Vorgängerbuch. Sie ist Roma, tough unangepasst und jetzt ist tatsächlich ihre eigene Familie in finstere Dinge verwickelt. Rominas Schwester wurde schlimm verprügelt, warum? Daneben bekommt man es noch mit der Kunstwelt zu tun. Ein Hochstapler ist unterwegs, der als Kunstberater windige Geschäfte abwickelt. Und eine georgische Einbrecherbande räumt systematisch im Villenviertel Berlins auf. Das alles wird plastisch und einfühlsam beschrieben und hängt irgendwie zusammen. Vielleicht war das aber ein bisschen viel auf einmal. So manche Wendung der Geschichte kam mir schon sehr zufällig vor. Sogar Romina unterläuft spontan eine seltsame Wandlung. Man hat sie als originelle Frau kennengelernt haben, die mit beiden Beinen im Leben steht, plötzlich ist sie liebeskrank. Der Tod ihres Vaters dagegen bewegt sie nicht besonders, der muss untersucht werden, aber für Trauer scheint sie keine Zeit zu haben. Das neue Buch von Johannes Groschupf ist unterhaltsam und lesenswert, in gewisser Weise sogar überraschend, aber seine anderen Bücher haben mir deutlich besser gefallen.