
fernweh_nach_zamonien
Bildgewaltige Adaption eines Klassikers der 1980er Jahre! Faszinierende Charaktere und ein spannendes, temporeiches Abenteuer. Inhalt: Eine mysteriöse Epidemie wütet auf dem Planeten Megara im Sternbild des Schwans. Scheinbar ist das Gefängnis der Ausgangspunkt der schrecklichen Krankheit, die ausschließlich Menschen befällt. In kürzester Zeit mutieren die Infizierten und werden zu affenähnlichen Monstern. Megara ist nicht nur Exil für Schwerkriminelle, zudem wurden die ursprünglichen Magaraner von den Menschen unterdrückt, versklavt und jeglicher Rechte beraubt als "Primos" bezeichnet. Von dem geheimnisvollen und gottähnlichen "ewigen Herrscher" erhoffen sie sich Errettung. Wird es Curtis "Captain Future" Newton gelingen, die Ursache der Krankheit zu finden und eine Ausweitung der Epidemie in der Galaxie zu verhindern? Unterstützung erhält er von seinen Freunden, der Crew der Comet: Androide Otto, Roboter Grag und Professor Simon Wright, das fliegende Gehirn! Autor und Szenarist Sylvain Runberg und Comiczeichner Alexis Tallone erwecken den ikonischen Helden Captain Future zum Leben. Eine Hommage an den Romanautor Edmond Hamilton sowie an die berühmte Zeichentrickserie. Mein Eindruck: Captain Future ist vermutlich vielen Kindern der 1980er Jahre ein Begriff. Etwa 50 Episoden der TV-Serie aus dem japanischen Studio Toei Animation (u.a. bekannt für Dragon Ball Z) wurden im ZDF ausgestrahlt. Doch auch wenn ich die Serie als Kind nie im Fernsehen geschaut habe, kommt beim Lesen der Comic-Adaption unvermittelt ein Gefühl von Nostalgie auf. Beginnend mit einem Rückblick in die Kindheit des kleinen Curtis' und der Schilderung des Schicksalsschlages, dem Verlust beider Eltern, kann man problemlos ohne Vorkenntnisse in das Captain Future Universum eintauchen. Die Handlung orientiert sich an "Der Herrscher von Megara". Die Kulissen und die Charaktere sind detailliert gezeichnet und Captain Future ist optisch ein typischer Held der Comics aus den 1980ern: hochgewachsen, schlank, muskulös. Ungewöhnlich sind einzig die feuerroten Haare. Mimik und Gestik wirken sehr lebendig. Das Abenteuer bietet einen Wechsel von ruhigen Dialogen und dynamischen Actionszenen sowie das raffinierte Spiel mit Perspektiven und Farbgestaltung. Für eine Kinderserie ist die Handlung überraschend düster und ernst. Grund hierfür sind unter anderem tiefgreifende und hochaktuelle Themen wie künstliche Intelligenz, Rassismus, Kolonialismus, Fake News, uvm. Auch wenn es in einigen Szenen zunächst brutal wirkt: Captain Future nutzt keine tödlichen Waffen. Im Kampf lässt er seine Gegner bewusstlos zurück. Grundsätzlich verabscheut er jegliche Art (unnötiger) Gewalt. Sein innerer Konflikt ist deutlich spürbar und fordert ihn zum großen Showdown bis zum Äußersten. Der ewige Herrscher allerdings ist weniger zimperlich. Das Lesealter für diese Comic-Adaption liegt laut Verlag bei "ab 10 Jahre ". Angesichts einiger blutiger Szenen würde ich es vielmehr ab 12 Jahren ansetzen. An Humor mangelt es aber keineswegs. Der Running Gag sind die herrlichen Dialoge und Streitgespräche zwischen Androide Otto und dem Roboter Grag. Die beiden sticheln sich immer wieder gegenseitig, beispielsweise wer von beiden der Menschlichere ist. Obwohl stahlhart und ausgestattet mit übermenschlichen Kräften, ist Roboter Grag zu Empathie fähig. Harte Schale, butterweicher Kern. Der Androide Otto besitzt die erstaunliche Fähigkeit, seinen Körper beliebig zu verwandeln, was ihm ermöglicht, in Gestalt eines der unterdrückten Primos inkognito zu ermitteln. Special Agent Joan Landor bildet den Gegenpart zu Captain Future. Sie ist tough (manchmal etwas zu sehr), schlagfertig und nimmt kein Blatt vor den Mund. Für das Gemeinwohl müssen die beiden sich für die Mission zusammenraufen. Nachdem ich (längst überfällig) in die Zeichentrickserie hinein geschnuppert habe, ist hinzuzufügen, dass die Comic-Adaption feinfühlig und respektvoll am Original geschrieben ist und doch eine ganz eigene Geschichte erzählt. Den französischen Künstlern Sylvain Runberg und Alexis Tallone ist es gelungen, eine eigene Interpretation zu erschaffen und zugleich eine Verneigung vor dem Original. Fazit: Eine gelungene und bildgewaltige Hommage sowie ein außergewöhnliches und nostalgisches Lesevergnügen für Jung und Alt! ... Rezensiertes Buch: "Captain Future - Der ewige Herrscher - nach dem Werk von Edmond Hamilton" aus dem Jahr 2025