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lynn

Posted on 2.3.2025

Originelle Geschichte eindrücklich erzählt Der Roman „Lichterloh“ spielt in Rußstadt – einer Stadt, in der alle Geräte und Maschinen mit Kohle betrieben werden, und die dementsprechend in Ruß versinkt. Daher ist Schornsteinfeger sein ein sehr angesehener Beruf. Um die Brandgefahr möglichst gering zu halten, haben Schornsteinfeger auch besondere Rechte, die sie über die Normalbevölkerung stellen. Dieses einzigartige Setting hat mir wirklich gut gefallen und war auf jeden Fall mal etwas ganz anderes. Die Stadt und vor allem das Leben in ihr waren sehr eindrücklich beschrieben. Der allgegenwärtige Ruß und die teils prekären Lebensbedingungen wurden für mich so wirklich lebendig. Zusätzlich hilft auch die Zeichnung auf dem Cover, sowie die Karte hinten im Buch dabei, sich Rußstadt bildlich vorzustellen. Besonders eindrücklich wurde aber nicht nur die bittere Armut, sondern auch die massive Schere zwischen arm und reich dargestellt. Mit Cleo hat das Buch eine mutige, emphatische und aufgeweckte Protagonistin mit einer gehörigen Portion Zivilcourage. Aber nicht nur Protagonistin Cleo, auch die anderen Figuren haben mir gut gefallen. Hier fand ich es vor allem sehr schön, wie unterschiedlich die verschiedenen Charaktere waren. Ich hätte mir lediglich gewünscht, bei einigen noch ein bisschen besser hinter die Fassade blicken zu können – beispielsweise bei Leander, Cleos Feind in der Schornsteinfegerakademie. Gerade zum Ende des Buches tritt ein großer innerer Konflikt bei ihm zu Tage – da hätte ich gerne etwas mehr gesehen. Und auch über Cleos Schwester, Gwynnie, hätte ich gerne mehr erfahren. So ist sie leider nicht besonders häufig in Erscheinung getreten. Positiv hervorheben möchte ich aber noch, wie Diversität sehr dezent und unaufdringlich eingebracht wurde. Beispielsweise hat Schornsteinfegerlehrling Emilia zwei Väter und Lex, Anführer*in der Kohlediebe, scheint nicht binär zu sein – ohne dass das groß weiter kommentiert worden wäre. Und schmunzeln musste ich darüber, dass alle Schimpfwörter und Kraftausdrücke etwas mit Ruß oder Asche zu tun haben. Das hat dieses Element für mich sehr schön abgerundet. Allerdings - so spannend und originell ich das Konzept von Rußstadt finde, hat es mich vom Aufbau und der Logik her doch nicht vollständig überzeugt. Die Stadt scheint weitestgehend isoliert in einem Tal zu liegen, aber muss es nicht Handel mit der Außenwelt geben? Wo kommen denn die Lebensmittel her? Braucht man dafür nicht Landwirtschaft? Und wo kommen die Rohmaterialien für die ganzen Maschinen her? Ich habe nichts von Bergbau oder ähnlichem in Rußstadt mitbekommen. Auch scheint es mit nicht ganz so plausibel, dass Cleos Schwester einfach mal so ein E-Bike und eine elektrische Taschenlampe baut, in einer Welt, in der sonst niemand Elektrizität und Akkus/ Batterien zu nutzen scheint. Es sei denn, es gibt eine geheime Verschwörung, von der weder Cleo noch der Leser wissen? Alles in allem bin ich vor allem von der gelungenen Darstellung des Settings und der Lebensumstände trotz kleinerer Logikmängel begeistert.

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