
meinnameistmensch
Wer den Namen Antonio Vivaldi hört, wird wahrscheinlich als erstes an die "Vier Jahreszeiten" denken. Zeit seines Lebens soll er über 700 Werke komponiert haben. Er allein? Nein: Ein (Groß-) Teil seines Werkes wurde komplett oder teilweise von seinen Schüler*innen aus dem Waisenheim Ospedale della Pieta entwickelt und einer davon, Anna-Maria della Pieta bzw. Anna Maria dal Violin, ist das hier zu rezensierende Werk gewidmet. Als Leser*innen des Werkes "Die Melodie der Lagune" erhalten wir einen Einblick in das Leben der Waisenkinder in der Ospedale della Pieta in Venedig, der Ausbeutung von Frauen durch Männer, aber auch des ungeheuren Talents vieler der Musikerinnen des Waisenorchesters. Eines Talents, das sich nur in engen gesellschaftlich ankzeptierten Rahmen zeigen durfte und das mit allen Mitteln bekämpft wurde, wenn es über diesen Rahmen hinaus ging. Es ist ein Buch über Ehrgeiz, Verrat, Frauensolidarität und auch die alles verbindende Kraft der Musik. Anna Maria della Pieta/dal Violin war mir bisher noch unbekannt, umso mehr ist es ein Verdienst der Autorin Harriet Constable, ihr wieder die gebührende Aufmerksamkeit zu ermöglichen. Die Schreibweise des Buches ist lebendig, voller Liebe zur Musik, aber auch voller berechtigter Wut über die damaligen Zustände, die teilweise bis heute fortbestehen. Es ist auch ein sehr politisches Buch, das definitiv notwendig und an der Zeit ist.