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anni_anushka

Posted on 2.3.2025

Trotz atmosphärischer Naturbeschreibungen zündet die Geschichte nicht so richtig Im Jahr 1973 lässt der gerade einmal volljährige Elijah Leith seine Jugendliebe in Point Orchards, einer Kleinstadt an der Meeresbucht Puget Sound im Staat Washington, zurück, um zu studieren und Schriftsteller zu werden. Viele Jahre später kehrt er zurück. Der Traum vom Bestseller ist geplatzt, der Vater tot und Elijah übernimmt die Familienhütte im Wald und baut sich ein Selbstversorgerleben auf. Doch dann wird die Ärztin des Ortes tot auf Elijahs Grundstück gefunden. Was zunächst wie ein Selbstmord aussieht, ähnelt jedoch schnell in verblüffender Weise der Handlung von Elijahs Buch und so gerät er ins Visier des Sheriffs und des Geredes in Point Orchards. Die Geschichte beginnt mit atmosphärischen Naturbeschreibungen. Zwei Männer angeln auf einem See, der nur bei einem bestimmten Tidenstand zugänglich ist, es gibt viel Wald und Wasser. Vom Flair her erinnert es an "Der Gesang der Flusskrebse" und ähnliche Romane, das Setting ist dieses Mal jedoch kein Marschland im Süden, sondern ein kontinentaleres Klima an der Grenze zu Kanada. Auch durch Bezüge zu einem Reservat und dem (fiktiven) First Nations Volk der Squalomah entsteht diese eingängige Atmosphäre. Dennoch muss ich sagen, dass dies für mich letzten Endes nicht genug war, um die Geschichte zu tragen. Zunächst war ich noch gefesselt von Elijahs zurückgezogenem Lebensstil in der Natur. Doch dann kam die Liebesgeschichte hinzu, in der mir Elijah immer unsympathischer wurde. Sein Verhalten wirkte oftmals nicht romantisch, sondern grenzüberschreitend auf mich. Und auch der Krimiteil wirkte mir zu konstruiert und wenig überzeugend. Der Sheriff und sein Assistent gehen unbeholfen und dilettantisch vor und die Gerichtsverhandlung ist absolut übereilt. In diesem Buch liegen gerade einmal 5 Wochen zwischen Auffinden der Toten und der Mordanklage, im realen Leben sind es üblicherweise zwischen mehreren Monaten und mehreren Jahren. So konnte mich weder die Liebesgeschichte emotional erreichen, noch der Mordverdacht gegen Elijah. Immerhin gelang es der Autorin, durch verschiedene Zeitsprünge Zweifel zu säen und eine nicht völlig vorhersehbare Entwicklung anzubieten. Die atmosphärischen Naturbeschreibungen konnten am Ende aber für mich die Schwächen in der Romanhandlung nicht ausreichend ausgleichen.

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