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anni_anushka

Posted on 2.3.2025

Kleine Leben unter dem großem Schatten des Panamakanals Empire, Panama, 1907: Ada steigt als illegale Passagierin vom Schiff aus Barbados. Sie hofft, in Panama genug Geld verdienen zu können, um ihrer Schwester eine lebensrettende Operation zu bezahlen. Omar, Sohn eines Fischers, arbeitet gegen den Wunsch seines Vaters als Bauarbeiter mit am Panamakanal, der als großer Riss durch das Land gehen soll. Die Oswalds reisen aus den USA an um die Malaria zu erforschen und ein Heilmittel zu finden. Doch sie müssen feststellen, dass auch Reichtum nicht vor Krankheit schützt. Und Valentina versucht, durch Protest ihr Kindheitsdorf Gatún vor der Zwangsumsiedlung zu retten. Dies sind nur einige der Figuren, die in einem mal engeren, mal gröberen Netz aus Schicksalen verbunden sind. Die Autorin zeigt eingängig die Hintergrundgeschichten, Träume und Hoffnungen vieler verschiedener Menschen auf, die alle in irgendeiner Form vom Bau des Panamakanals betroffen sind, sei es, dass sie sich durch das verdiente Geld eine bessere Zukunft erhoffen oder dass dadurch ihre ganze Existenz bedroht ist. Passender kann ein Roman kaum erscheinen als dieser, der rund um den Bau des Panamakanals vor über 100 Jahre angesiedelt ist, während hochaktuell Forderungen des derzeitigen amerikanischen Präsidenten laut werden, die Kontrolle über den Kanal zurückzuerhalten. Geradezu zynisch muten diese Forderungen an, nachdem man das Buch gelesen und einen Eindruck bekommen hat von der Ausbeutung und der Diskriminierung der Menschen Panamas beim Bau (und danach) und dem imperialistischen Gehabe der USA, die gleich einen ganzen Landstrich Panamas zur Sonderzone machten, in denen die einheimische Bevölkerung keine Rechte mehr hat. Allerdings erfährt man aus diesem Roman wenig historische Fakten, der Hauptfokus liegt auf den emotionalen Geschichten der "kleinen Leben", die mit dem Panamakanal zu tun haben oder davon beeinflusst werden. Wie der große Risse auch Risse durch Familien zieht. Man kann sich einfühlen in die jüngeren Figuren, die dem Fortschritt nicht abgeneigt sind und die aus ganz Mittelamerika anreisen, weil die Arbeit vergleichsweise gut bezahlt wird. Aber auch die Umwälzungen, die die älteren Figuren durch den Fortschritt erleben, der ihre traditionelle Lebensweise überrollt, sind gut nachspürbar. Die angekündigte Liebesgeschichte ist zart und dezent und überlagert nicht die restliche Handlung. Man fühlt beim Lesen vor allem, wie sich ein großer Schatten des "Risses" auf alle geschilderten Leben legt. Und gleichzeitig schildert die Autorin so bildhaft die Szenerie, dass man sich ein Staunen kaum verkneifen kann, wie der Mensch einen ganzen Kontinent durchschneidet, Bergketten durchtrennt und am Ende zwei Ozeane miteinander verbindet um der Natur ein Schnippchen zu schlagen und nicht länger einen ganzen Kontinent umsschiffen zu müssen, um auf die andere Seite zu kommen. Die Autorin schärft mit großer Empathie das Bewusstsein für ein Wunderwerk der Ingenieurskunst und seiner gleichzeitigen Auswirkungen auf die individuellen Menschen.

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