
Chief Propaganda Officer
Vor mehr als dreißig Jahren hat die Polizistin und Personenschützerin Lena im Kummersee ihren Bruder verloren, der bei dem Versuch, sie zu retten, selbst ertrunken ist. Die damals Neunjährige war überzeugt davon, ein Monster gesehen zu haben, doch niemand glaubte ihr. Jetzt kehrt Lena mit Vermessern in ihre alte Heimat zurück, doch niemand ist davon begeistert. Die Vermesser sollen herausfinden, ob man ein Atomendlager in der Gegend anlegen kann; nicht nur Umweltschützer gehen auf die Barrikaden. Dann stirbt zuerst einer der Vermesser, dann jugendliche Umweltschützer und Lena erkennt, dass alles nicht nur mit dem Kummersee zusammenhängt, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit. Ich weiß gar nicht so recht, was ich von der Geschichte halten soll. Der Prolog war sehr stimmig und konnte gut mitnehmen, doch dann ging es mit der Gegenwart und der erwachsenen Lena weiter. Und ganz ehrlich: Ich glaube nicht, dass Lena mit ihren psychischen Problemen überhaupt Polizistin hätte werden können, geschweige denn Personenschützerin. Aber gut. Die Geschichte plätschert eine Weile wie der Kummersee vor sich hin, bis dann die Morde geschehen. Was nach dann nach einer eher zähen Ermittlung folgt, lässt schon manchmal an den Kopf greifen. Die von Angstzuständen geplagte Lena, die noch nie ihrem Leben getaucht ist, geht bei Nacht und Nebel in ein offenes Wasser, taucht auf zehn Meter runter und verteidigt sich da unten gegen ausgebildete Kampfschwimmer. Als wäre das nicht genug, dreht der Autor danach erst völlig auf, als wollte er den etwas zu ruhigen Anfang irgendwie ausgleichen und macht zum Schluss eine wilde All-Out-Shooting-Story draus, bei der gefühlt alle Leute, die im Buch vorkamen, drauf gehen. Dass die Begründung für all die Geschehnisse dann mit einer an den Haaren herbeigezogenen Ost-West-Geschichte erklärt werden, hat mich dann auch nicht mehr groß gestört. Ich sag's, wie es ist: Dank des guten Sprechers erhält das Buch noch wohlwollende 3 Punkte.