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violettera

Posted on 24.2.2025

Martas Lehrjahre Die Lektüre dieses zweifellos ambitionierten Romans lässt mich etwas ratlos zurück. Es geht um Marta, der Roman setzt ein vor der Beerdigung Theresas. Sie war Martas Cousine und beste Freundin, sehr lebhaft und ganz anders als die stille Marta. Die beiden waren schon als Kinder befreundet, verbrachten alle Schulferien im Sommer gemeinsam am Balaton, der Heimat der Väter. Am Ende der Ferien musste Theresa immer mit ihren Eltern zurückfahren nach Ostberlin, während Marta bei ihren Eltern in Ungarn blieb. Ihre glückliche Kindheit endete, als die deutsche Mutter die Familie verließ, den alkoholkranken Vater und Marta. Nach dem Abitur lässt auch Marta den Vater zurück, reist Hals über Kopf zu Theresa. Für Marta beginnt ein aufregendes Leben in Ostberlin, wo die quirlige Theresa sie zu allerlei Boheme-Treffen junger Regimekritiker mitnimmt. Dort lernen sie den Schriftsteller Konstantin kennen, in den sich beide verlieben. In zahlreichen Rückblenden erfahren wir nun die weitere wechselvolle Geschichte dieser Freundschaft zu dritt, stets aus Martas Perspektive. Es sind die 80er Jahre, noch vor der Wende und dem Ende des Sozialismus, der in der DDR härtere Einschränkungen bringt als im etwas liberaleren Ungarn. Etwa 20 Jahre später, Marta lebt schon lange mit ihrem Mann in Budapest, wird Theresa in der väterlichen Heimat am Balaton bestattet, und Marta erinnert sich wieder an vieles, was ihr Leben bewegt hatte. Es geht nicht nur um Liebe, Freundschaft und Familie, auch die gesellschaftlichen Umbrüche werden thematisiert, ebenso wie Fragen des Literaturbetriebs, des Feminismus, von Schuld und Verantwortung. Es sind große Fragen, aber letztlich erzählt die Autorin vor allem Episoden aus Martas Studienjahren, die mich in ihrer Ausführlichkeit gelangweilt haben. Der Schreibstil ist zwar lebendig, aber eine etwas straffere Erzählweise hätte ich mir gewünscht.

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