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Marcus Jordan

Posted on 24.2.2025

Vuillard fasst Geschichte an und stellt sie in etwas, das fast wie szenische Bühnenbilder anmutet. Ergreifend, schockierend und mahnend bewegt er sich so durch Deutschland an der letzten Schwelle zur Katastrophe 1933. Dabei bleibt er genau und lässt nebenher keinen Zweifel an seinen Quellen und seinem Anspruch auf mindestens historische Schlüssigkeit seiner Beschreibungen. Der Anschluss Österreichs, die großen Industriellen wie sie ins Geschirr gehängt werden, die Charaktere, die tatsächlichen Gespräche und Fakten und Zusammenhänge. Dazu die Mutmaßung einer Mimik, eines Gefühls, einer Absicht. Irgendwie auf korrekte Weise übergriffig, weil bewusst wird, wie menschlich das alles war. Wie einfach. Eine Angst, eine Gelegenheit, ein Wunsch, ein Ausweg und alles immer in einem Moment. Sicherlich geschickt gespielt, aber so machbar, wenn mal die Grenzen fehlen. Wenn es auch nur zur Debatte steht, dass irgendein Zweck irgendein Mittel heiligt. Oder dass der, der die Nation rettet, nicht im Unrecht sein kann. Ein Roman. Und eine therapeutische Manipulation.

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