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tintensturm

Posted on 17.6.2023

Vorab: für mich war das Buch ein deutlicher Coverkauf, da ich Cover und Farbschnitt einfach so toll fand. Die Idee der Geschichte fand ich ziemlich vielversprechend, auch wenn ich einiges, vor allem am World Building noch etwas ausbaufähig fand. Beispielsweise hätte ich mir gerade zu Beginn teilweise ausführlichere Beschreibungen der Orte und der Charaktere gewünscht, dies kam teilweise etwas kurz. Auch das Magiesystem und die Götter wurden beschrieben, aber teilweise habe ich über die Religion in der Welt noch keinen richtigen Überblick, außer dass die Mutter Sonne und der Vater Mond angebetet werden- und wieso das Königreich mit dem Norden im Kampf steht, ist mir auch nicht 100% klar, aber ich vermute, dass es daran liegt, dass es eine vierteilige Serie ist, und wir erst in die Geschichte einsteigen. Dafür wurden mir in der Geschichte manchmal andere Dinge zu oft wiederholt. Dies war aber glaube ich sprachlich einfach manchmal verbesserungswürdig. Die Liebesgeschichte, mit der hatte ich zu Beginn ein wenig meine Schwierigkeiten. Warum? Ich verstehe das "Bad Boys" und Antihelden gerade total gefragt sind, und dass Vhalla den düsteren Prinzen attraktiv findet- allerdings kann ich nicht verzeihen, wie ihre Liebesgeschichte beginnt, nämlich in dem er ihr ziemlich gewaltvoll begegnet. Ich möchte nicht zu viel spoilern, aber nach ihrer ersten Begegnung hat Vhalla starke Wunden und muss sogar das Krankenbett hüten und Aldrik spricht ziemlich respektlos zu ihr und nennt sie u.a. einen "bedeutungslosen Wurm" oder einen "Papagei". Letzteres soll später zu einem süßen Kosenamen werden- hat mich aber absolut nicht abgeholt, da es deutlich süßere Spitznamen als "mein Papagei" gibt. Auch im späteren Verlauf des Romans nennt Aldrik sie nochmal "du dummes Mädchen" und ich muss sagen, das hat mich einfach wirklich nicht abgeholt- vielleicht ist es im englischen Original nicht ganz so krass, aber die Übersetzung ist auf jeden Fall ein Fall für sich. Zudem hatte ich mit Vhalla auch teilweise meine Schwierigkeiten, denn ich hatte den Eindruck, dass sie leicht in das "Pick me Girl"-Schema einspielt. Eine "Pick me"- wird eine Person bezeichnet, deren positive Eigenschaft sein soll, "anders als die anderen zu sein", wodurch aber "das Andere", bei Frauen oft das "typisch weibliche" heruntergespielt und negativ konnotiert wird. Mit anderen Worten: Frauen werden heruntergemacht, um eine Frau hervorzuheben, anstatt Frauen zu feiern. Gleichzeitig scheinen in den Romanen aber alle männlichen Charaktere auf diese Nicht-wie-alle-anderen-Frau abzufahren. In Air Awoken benutzt Prinz Baldair sogar genau den "du bist nicht wie die Anderen"- Satz, um Vhalla zu beschreiben, als er gemeinsam mit ihr frühstückt. Zudem hat Vhalla gleich drei Männer, die um ihre Aufmerksamkeit buhlen. Weshalb ich Vhalla aber wiederum Pluspunkte einräumen muss, ist, dass sie nicht komplett das naive und unerfahrene Mädchen ist, welches erst von einem Mann verführt werden muss (wie einige Fantasy Protagonistinnen, zu denen z.B. auch Poppy aus Blood and Ash zählt) , sondern Vhalla hatte bereits erste Erfahrungen mit Männern und ist daher kein graues unerfahren Mäuschen. Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, dass bestimmte "Tropes", wie z.B. ein Ball, der stattfindet, damit die Protagonistin sich hübsch machen kann und allen den Kopf verdrehen kann, in die Geschichte eingeflochten wurden, ohne wirklich Sinn zu machen, bzw. aus meiner Sicht hätte dieser Ball nicht sein müssen. Was ich persönlich gut gelungen fand, war Vhallas Gefühlswelt, auch wenn es mich gestört hat, dass sie einerseits als schlaue Schülerin und gleichzeitig als absolut naiv dargestellt wurde. Auch realistisch und gut fand ich, dass Vhalla einen Freundeskreis besitzt und sich damit konfrontieren muss, wie sich dieser verändert, wenn sie nun Magierin wird. Dieser Aspekt, also das "frühere Leben" von Protagonisten, wird meiner Meinung nach bei Fantasyromanen manchmal zu sehr heruntergespielt und vergessen, deshalb fand ich es sehr erfrischend, dies hier mal mitzuerleben. Trotz dieser Kritik hatte ich Spaß beim Lesen und das Buch lässt sich auch schnell weg lesen. Gerade gegen Ende kommt auch wirklich nochmal richtig Spannung auf und alles was ab dem Ball geschieht, habe ich auch so nicht kommen sehen und macht für mich auf jeden Fall Lust auf die Fortsetzung- von der ich mir auch hoffe, dass Worldbuilding und Politik und vielleicht auch die Magie nochmal ausführlicher unter die Lupe genommen werden. Ich habe große Hoffnung in die Fortsetzung(en).

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