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Yvonne Franke

Posted on 1.5.2023

Dass wir von yourbook.shop Dinçer Güçyeter lieben, brauch ich Euch nicht zu erzählen. Schließlich schreibt er für uns regelmäßig die Lyrik-Gesprächsreihe "Lyrik Leben" und wird das hoffentlich, trotz anwachsenden Erfolgs (gerade wurde er mit dem Preis der Leipziger Buchmesse und sein Elif Verlag mit dem Förderpreis der Kurt Wolff Stiftung ausgezeichnet) und der damit verbundenen ständigen Reiserei, auch weiterhin tun. Seine eigene Lyrik und einige der anderen wundervollen Titel aus Güçyeters Elif-Verlag haben hier schon einmal in einem Sammeltext Erwähnung gefunden. Und ich bin mir sicher, dass der Eine oder die Andere von Euch, darunter neue Lieblingsbücher entdeckt hat. Deshalb will ich Euch nicht vorenthalten, dass Dinçer Güçyeter nun einen autobiografischen Roman geschrieben hat. Wobei der Begriff Roman hierfür nicht annähernd ausreicht. Wenn ein Lyriker seine Familiengeschichte erzählt, entstehen vielleicht zwangsläufig ganz neue Formen, aber "Unser Deutschlandmärchen" funkelt in Gestalten, die ich bisher nicht kannte. Der Autor schlüpft in die Gedankenwelten seiner Mutter, Großmutter und anderer , meist weiblicher, Hauptfiguren seiner eigenen (Vor-) Lebensgeschichte. So entsteht manchmal eine Collage, manchmal ein Chor der Ereignisse. Da ist Fatma, die verheiratet wird, diesen Mann mit dem großen Kopf und dem chaotischen Wesen tatsächlich liebgewinnt und mit ihm nach Deutschland geht. Dort arbeitet sie mehr als ein Mensch kann und trägt einen Keller voller Dinge zusammen, die ein Leben ausstatten sollen, das es nie geben wird. Dort betet sie für ein Kind, das sich all zu viel Zeit lässt, in ihr zu wachsen. Dort bekommt sie es viele Jahre später. Und eben dieses Kind schreibt hier seine Träume auf – in düsteren Liedern und Dialogen, in Erinnerungen, die persönlich sind und doch hochpolitisch. Seine Sprache kann märchenhaft sein, fast davonfliegen, aber auch roh und hart wie das Leben in der Fremde, und sie kann sich wandeln und damit den Menschen gerecht werden, deren Geschichte sie erzählt. Eine menschlich bereichernde Kostbarkeit, die ich, das war gleich klar, noch an viele Freunde und Freundinnen verschenken werde.

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