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wandanoir

Posted on 7.6.2022

Die Musik ist viel, aber nicht alles. Kurzmeinung: Hat mir leider wenig Empathie entlocken können. „Ewa Maria Wagner, 1964 in Schlesien geboren, ist leidenschaftliche Musikerin und lebt inzwischen in den Niederlanden. Seit ihrem Studium am Konservatorium Kattowitz bereist sie als Bratschistin mit verschiedenen namhaften Orchestern die großen Bühnen der Welt. Daneben schreibt sie Artikel für Musikzeitschriften. Tristan-Akkord ist ihr erster Roman und trägt autobiografische Züge.“ (Vorspann zum Buch). Die Autorin hat es mir mit ihrem Roman leider schwer gemacht. Ich wünschte mir sehr, etwas mehr Zugang zu Richard Wagner zu finden oder bestenfalls zur gesamten klassischen Musik, aber diese Ewartungen wurden von dem Roman nicht abgedeckt. Was zur Musik überhaupt gesagt wird, ist für einen Laien so speziell, dass er damit nicht viel anfangen kann. Was die persönlichen Bezüge angeht, habe ich folgendes verstanden. Die mit der Autorin gleichnamige Bratschistin Eva hatte in ihrer Kindheit eine starke Bindung an Worte und Bücher. Aus Liebe zu ihrem Vater widmet sie sich jedoch der Musik und nicht der Literatur. Er möchte sie als Erste Geigerin von Weltklasse sehen. Ihren Vater vergöttert sie, doch der Vater zieht ihr die ältere Schwester Nina vor, eine Konstellation, an der sie ein Leben lang krankt. Eine Mini-Emanzipation vom Vater ist es, als sie die Geige weglegt und Bratschistin wird. Nach einer Karriere in einem angesagten Orchester ist ihre bisherige Festanstellung durch Krankheit, Personalabbau und nachlassende Leistung bedroht. Von Existenzängsten geplagt, versucht sie sich endlich auf dem Gebiet der Literatur und schreibt einen Roman: den Tristan-Akkord, nehme ich an. Der Kommentar: Den Lebenskonflikt mit Vater und Schwester konnte ich nicht so richtig verstehen. Man wird doch mal erwachsen und entwächst den kindlichen Eifersüchteleien und lebt ein eigenes Leben?! Mit anderen Worten, man distanziert sich. Oder man haut auf den Tisch und spricht sich aus. Die Beziehung zwischen Vater und Tochter bleibt jedenfalls das ganze Buch hindurch ambivalent. Wie ist der Roman geschrieben? Er hat Passagen, die mich schrecklich langweilten. Die Diologe sind holprig. Dennoch ist und bleibt der Roman eine Emanzipationsgeschichte, die irgendwie ein versöhnliches Ende gefunden hat. Wie tief der Verlust der beruflichen musikalischen Laufbahn geht, kann man herauslesen, doch fehlt mir dabei eine Art "verzweifelte Leidenschaft". Der Ton ist mir viel zu sachlich für das Lebensdrama. Fazit: Ein Roman, der wohl mehr persönlich ist als viele andere. Ob für die Allgemeinheit bedeutend, wage ich zu bezweifeln. Jedoch sollte jeder versuchen, seinen Traum zu leben, besser spät als nie. Und wenn man schreiben will, soll man schreiben. Mit jedem Versuch wird es besser. Viellicht sogar eines Tages leidenschaftlich und dringlicher. Kategorie: Unterhaltung. Verlag: Urachhaus, 2022

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