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Fina

Posted on 23.1.2022

Gestaltung: Das Cover des Buches hat mich direkt in seinen Bann gezogen. Es wurde fast eins zu eins aus dem Englischen übernommen und fängt perfekt die dunkle, bedrohliche Atmosphäre auf dem Westerly Campus ein. Für mich ist gerade ein dunkles Violett assoziiert mit Magie und Hexerei, weshalb ich auch die Farbwahl äußerst gelungen finde. Die vielen Raben und auch der Ring in den Klauen haben eine tiefere Bedeutung in der Geschichte, sodass hier Optik und Inhalt perfekt ineinandergreifen. Ein schönes Detail sind für mich die durch Spotlack hervorgehobenen Schriftzüge auf dem Cover. Ich wurde von dieser Gestaltung vollkommen verzaubert. Darum geht's: Vivi kommt als Erstsemester gegen den Rat ihrer distanzierten Mutter an das Westerly College, an dem ihr Leben endlich eine positive Wendung nehmen soll. Tatsächlich scheint sich ihr Traum zu erfüllen. Nach Jahren voller Umzüge und loser Bekanntschaften findet sie in der Studentinnenverbindung der Rabenschwestern Anschluss und Zusammenhalt. Zu diesen gehört auch Scarlett, die bereits seit einigen Jahren dabei ist und auf den Titel der Präsidentin spekuliert. Doch so unschuldig, wie die Verbindung auf den ersten Blick scheint, ist sie nicht, denn um eine Rabenschwester zu werden, müssen magische Kräfte am Werk sein... Idee/ Umsetzung: Die Geschichte vereint gleich mehrere Themen, die ich in Büchern absolut gerne mag: College Setting, Geheimnisse und Intrigen, Magie und Hexerei. Deswegen war nach der Kurzbeschreibung für mich sehr schnell klar, dass ich dieses Buch einfach lesen MUSS. Die Geschichte beginnt sehr verheißungsvoll. Wir begleiten Vivi bei der Verabschiedung ihrer Mutter Daphne, voller Vorfreude und Hoffnung für einen Neuanfang auf dem College. Westerly in Savannah wird wie ein wahrgewordener College Traum beschrieben: Hohe umrankte Mauern, viktorianische Gebäude, zahlreiche historische Ausstellungsstücke, Bibliotheken und interessante Unterrichtsfächer. Durch gelungene Beschreibungen der Umgebung hat sich insbesondere zu Anfang der Geschichte eine schaurig-schöne Stimmung bei mir eingestellt, die manche Gänsehaut hervorrief. Obwohl auch viel Potenzial für die Beschreibung eines typischen College Alltags in diesen heiligen Hallen da wäre, fokussieren sich die Autorinnen recht schnell auf die Verbindung der Rabenschwestern, offiziell die Kappas, und ihr Verbindungshaus als Hauptschauplatz des Geschehens. Das Kennenlernen der Rabenschwestern durch Vivis Augen hat mir gut gefallen, da auch sie anfangs nichts von der Hexerei weiß und die Feierlichkeiten und Zeremonien des Hexenzirkels sehr eindringlich beschrieben werden. Parallel lernen wir die Perspektive von Scarlett kennen, die bereits ein festes Mitglied der Rabenschwestern ist, und gerne im nächsten Zyklus zur Präsidentin ernannt werden möchte. Im Gegensatz zu Vivi, die bisher ein eher turbulentes Leben hatte, verläuft Scarletts Leben seither in gelenkten Bahnen- sie ist wunderschön, erfolgreich und mit einem einflussreichen jungen Mann zusammen. So prallen durch unsere Protagonistinnen zwei Welten unter dem Dach der Kappas aufeinander. Besonders die abwechselnden Sichtweisen haben mir gut gefallen, da beide Mädchen verschieden sind und die Geschehnisse anders interpretieren. Ich habe mich Vivi immer etwas näher gefühlt als Scarlett, aber beide waren mir im Verlauf der Geschichte auf ihre Weise sympathisch. Figuren: Die beiden Protagonistinnen bringen uns die Welt der Rabenschwestern, geprägt von Loyalität und Schwesterlichkeit, sehr nahe. Auch, wenn die anderen Kappas etwas blasser bleiben, habe ich sie jederzeit gut zuordnen können und wusste zumindest grob, welche Eigenschaften jede von ihnen auszeichnet. Die Präsidentin Dahlia, Scarletts beste Freundin Tiffany und Vivis erste Bekanntschaft Ariana lernen wir noch mit am besten kennen. Als Nebenfiguren agieren insbesondere Mason, Scarletts Freund, und Jackson, ein anderer junge vom Westerly College, der immer wieder mit Scarlett aneinandergerät. Die beiden spielen hier eine recht kleine Rolle, das Buch ist dominiert von starken weiblichen Figuren. Für mich hätte es die angedeuteten Liebeleien zwischen den Kappas und den Männern gar nicht geben müssen, weil die Szenen ohnehin sehr oberflächlich bleiben und es genug andere Stärken der Handlung gibt. Insgesamt war ich mit den Charakteren zufrieden, konnte ihre Gedanken und Handlungen nachvollziehen und habe mir manchmal gewünscht, Teil der Kappas zu sein. Ich möchte noch ein paar Worte zum Magiesystem verlieren. Dieses ist hier orientiert an den vier Elementen und dadurch recht simpel gehalten. Es gibt viele Rituale, Zauberformeln und magieverstärkende Gegenstände, wie Tarot Karten oder Kräuter, doch alles einfach verständlich und nicht neuartig. Deswegen finde ich die Geschichte besonders auch für Fantasy Einsteiger*innen empfehlenswert, mir persönlich wird so etwas auch schnell zu komplex. Kenner*innen könnten dadurch aber vielleicht etwas enttäuscht sein, hier wurde das Rad nicht neu erfunden. In der zweiten Hälfte des Buches entwickelt sich die Geschichte noch einmal in eine etwas andere Richtung. Wo zuerst das Aufnahmeritual der Erstsemester und das Kennenlernen der Hexerei und Schwesternschaft im Fokus standen, geht es später um Rache aus der Vergangenheit, schwarze Magie und düstere Flüche. Die Düsternis der Geschichte gefiel mir gut, einige Entwicklungen der Handlung nicht ganz so sehr. Dennoch hat mich die ein oder andere Wendung kalt erwischt und das Buch wurde zu einem runden Ende geführt und war auch nicht "zu perfekt". Meines Wissens nach gibt es Pläne für einen zweiten Band. Für den sehe ich nach diesem gelungenen Abschluss keinerlei Notwendigkeit und kann das Buch als Einzelband empfehlen. Fazit: "Der Club der Rabenschwestern" entführt uns auf den Campus eines düsteren Colleges, das eine herrliche Atmosphäre voller Magie und Geschichte verströmt. Die Verbindung der Rabenschwestern ist eine Gemeinschaft voller Loyalität und Vertrauen, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe. Magie und Hexerei werden schnell zum Hauptthema des Buches, wodurch das College Feeling etwas in den Hintergrund rückt. Liebhaber*innen von spannenden Hexengeschichten, ohne zu hohe Erwartungen an ein ausgeklügeltes Magiesystem, kann ich diese Geschichte sehr ans Herz legen.

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