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gwyn

Posted on 11.1.2022

Um zu kommunizieren, benutzt der Mensch seine Fähigkeit zu sprechen. Aus Lauten entstanden Wörter. Ein Wort ist eine genaue Bezeichnung für ein Ding, eine Tätigkeit usw. Die Sprache ist das Instrument der menschlichen Verständigung. Aber wer denkt sich diese Begriffe aus? Was machen wir mit Sprache? Und was macht sie mit uns? Warum verändert sich Sprache? Und wozu ist Grammatik gut? Auf diese und andere Fragen gibt das Kindersachbuch erste Antworten: Wer bestimmt, was die Wörter bedeuten? Warum sterben manche von ihnen aus oder wechseln den Sinngehalt? Gibt es eigentlich für alles ein Wort? Aus Lauten werden Wörter, die in einer bestimmten Ordnung stehen; aus nur 40 Lauten. Aus Wörtern entstehen Sätze. Wichtige Wörter und Beispiele werden im Text in blauen Buchstaben gedruckt, Fachwörter in Grün, Bedeutungen in Rot. An der Seite gibt es Verweise: + eine zusätzliche Info, # für den Hinweis auf einen literarischen Text, & für Anregungen, Raten, Ausprobieren, eine Schleife für Verweise im Buch. Auf jeder der textreichen Seite finden wir somit eine Menge Zusatzinformation. Alles beginnt mit Lauten, fünf Laute: A-E-D-L-N, aus denen sich Wörter bauen lassen. Aus einem Wort lassen sich grammatikalisch andere Wörter ableiten. Fisch: fischen, Fischer, Fischerin. «Deutsch ist, wenn es knackt und blökt.» Wir landen bei den Lautmalereien, Wörter, die Geräusche definieren. Eine Sprache setzt sich aus Lauten zusammen und wir erfahren, dass Deutsch in fremden Ohren hart und kompliziert klingt. Selbstlaute, Mitlaute, Knacklaute werden erklärt. Aber wer denkt sich die Wörter aus? Ein neues Ding, eine neues Wort – oder eine Schriftstellerin, die Pippi das Wort «Spunk» erfinden lässt. Ein neues Wort ist gefunden. Nur wird es sich durchsetzen, ins Wörterbuch Einzug finden? Irgendwann im Laufe der Geschichte sagt ein Mensch etwas zu einem Ding und die Gemeinschaft einigt sich, dieses Wort zu benützen. Ein Ding oder Verb kann viele Wörter implizieren. Ein Pferd kann man auch Gaul nennen, einen Hund auch Köter. Bloß die zweite Bezeichnung hat eine eher abwertende Bedeutung. Kindlich und kindisch haben im Grunde einen ähnlichen Tenor, doch differenziert ist das Letztere eine abschätziger Sinngehalt. Es gibt Dinge, für die haben wir keine Worte. Und andere Wörter wechseln in der Geschichte ihre Bedeutung. Denn Sprache ist lebendig, entwickelt sich weiter fort. Und darum fallen auch manche Wörter irgendwann unter den Tisch. Hier ist als Beispiel die Magenschaft genannt (direkte Verwandte) – ich kannte das Wort nicht. Vaters Verwandte nannte man Schwermagen, die der Mutter Kunkelmagen; Oheim und Muhme sind vielleicht manchem aus Märchen im Gedächtnis. Hier geht es noch sehr detailliert in alte Stammbücher hinein. Ein Kapitel, das sicher bessere Beispiele hergegeben hätte. Es gibt Wörter, die haben mehrere Bedeutsamkeiten, wie der Hahn. Einige werden gleich gesprochen, werden aber nach je Bedeutung anders geschrieben, Esche und Äsche, oder sich wechseln das Geschlecht: der Tau, das Tau; oder wir sprechen sie mit unterschiedlicher Betonung: umfahren. Für Begriffe gibt es oft mehrer Namen, was auch regional bedingt sein kann oder man verhüllt sie durch Umschreibungen, weil sie unangenehm sind. Wörter, die man nach dem Erfinder des Gegenstands benennt, das Röntgengerät z.B. Und woher stammen die Nachnamen und Ortsnamen? Klar, den Schimpfwörtern ist auch ein Kapitel gewidmet. Wörter gehen auf Wanderschaft – die Adaption von Begriffen aus Fremdsprachen. Die Gurke ist ein Wanderbursche. Sie wanderte vom Altpersischen ins Griechische, von dort ins Polnische, wo sie als «ogurek» schon Ähnlichkeit mit dem Wort Gurke bekam, das vor 500 Jahren bei uns einwanderte. Aber auch deutsche Wörter fassen im Ausland Fuß. Zwischen den Kapiteln werden Sprachspiele angeboten. Dies Buch soll Kinder für Sprache sensibilisieren, aber auch unterhaltsam sein. Dieses Sachbuch hat einen hohen intellektuellen Anspruch, theoretisiert mir an manchen Stellen ein wenig. Der unterhaltende Faktor ist mir für ein Kinderbuch ein wenig kurz gekommen, trotz der eingestreuten Spiele. Ein Buch, das man nicht in einem Rutsch lesen wird, das viel Information über Sprache gibt und ziemlich textlastig ist. Aufgelockert wird das Ganze durch kleine Grafiken von Dieter Gilfert. Es ist kein Sachbuch für jedes Kind, man muss schon Interesse für Sprache mitbringen. Was mir fehlt, sind Kapitel zu Jugendsprache und Denglisch, eben Sprache, mit der Kinder leben. Der Mirabilis Verlag gibt eine Altersempfehlung ab 10 Jahren. Dem würde ich nur bedingt zustimmen, eher ab 12 Jahre hochstufen auf Grund der Textlastigkeit der Sachtexte, inklusive dem Anspruch, der Trockenheit der Präsentation. Interessant ist das Kinderbuch mit Sicherheit für Deutschlehrer. Grundsätzlich gefällt mir das Buch, aber in der Tiefe ist es mir zu vollgestopft, zu theoretisch. Hörbeispiele zum Buch und weiterführende Informationen, Anregungen und Spiele gibt es unter www.sprachfutter.de. Zudem sind zwei Folgebände bereits in Planung! Brigitte Schniggenfittig, geb. 1960, studierte Sprach- und Übersetzungswissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin. Sie arbeitet als Dolmetscherin und Übersetzerin und lehrt seit 1985 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zur deutschen und zur polnischen Sprache. Dr. Jörg Wagner, geb. 1965, absolvierte ein Lehrer-Studium für die Fächer Deutsch und Englisch an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Im Anschluss promovierte er in Angewandter Sprachwissenschaft. Seit 1993 lehrt er Sprachwissenschaft am Germanistischen Institut der Universität Halle. Dieter Gilfert, geb. 1953 in Landsberg/Saalkreis, studierte Malerei und Grafik an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein (heute: Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle). Von 1976 bis 1978 war er künstlerischer Mitarbeiter am Institut für Architekturemaille Burg Giebichenstein, seit 1978 arbeitet er freischaffend als Maler und Grafiker in Halle (Saale).

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