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Dreamworx

Posted on 6.12.2021

„Unser Leben ist das Ergebnis unserer Entscheidungen.“ (Stephen R. Covey) 1925 Berlin. Hulda Gold wurde in der Frauenklinik Berlin-Mitte zur leitenden Hebamme befördert. In dieser Position hat sie einigen Einfluss auf positive Veränderungen für die Frauen im Kreissaal, was ihr von den hauptsächlich männlichen Ärzten allerdings nicht leicht gemacht wird. Die große Ausnahme bildet da der junge Doktor Johann Wenckow, der Hulda nicht nur aufgrund seiner beruflichen Einstellung gut gefällt, sondern auch ihre Herz höher schlagen lässt. Allein seine wohlsituierte Abstammung bereitet Hulda Sorgen, denn seine Eltern sind von der Wahl ihres Sohnes nicht gerade begeistert, und auch Hulda fühlt sich in deren elitären Kreisen unwohl und deplatziert. Bei einem Empfang, der von Freunden Johanns Familie ausgerichtet wird, kommt Hilda eine schreckliche Geschichte zu Ohren, die sie nicht zur Ruhe kommen lässt. Sie will unbedingt herausfinden, was dahintersteckt und bringt sich dabei einmal mehr in Teufels Küche… Anne Stern hat mit „Die Stunde der Frauen“ den vierten Band um ihre liebenswerte Hebamme Hulda Gold vorgelegt, der den Leser erneut in die Vergangenheit reisen lässt, um im Berlin der 1920er Jahre einer spannenden und fesselnden Geschichte zu folgen. Der flüssige, farbenprächtige und gefühlvolle Erzählstil lädt den Leser wieder ein, das alte Berlin zu besuchen und sich gespannt an Huldas Fersen zu heften. Die Autorin hat wieder exzellent recherchiert und den historischen Hintergrund mit ihrer Geschichte wunderbar verknüpft. Während die Handlung ihren Verlauf nimmt, bekommt der Leser ein gutes Bild über die gesellschaftlichen Gepflogenheiten in der gehobenen Berliner Schicht, die Hulda aufgrund ihrer Beziehung zu dem Arzt Johann Wenckow kennenlernt, wobei sie sich dort nicht gerade wohl fühlt, denn sie ist ein Leben im Arbeiterviertel gewohnt. Während Hulda sich im Krankenhaus in leitender Position um das Wohlbefinden ihrer Patientinnen kümmert und für Verbesserungen sorgt, kämpft sie gleichzeitig gegen die ständige Bevormundung und Geringschätzung ihrer männlichen Kollegen. Doch Hulda wäre nicht sie selbst, wenn sie sich nicht durch- und hinwegsetzen würde, um ihr Ziel zu erreichen. Aber auch Huldas detektivische Fähigkeiten setzt Stern wieder wunderbar und spannungsgeladen in Szene, wobei Kommissar Karl North nicht nur privat wieder eine Rolle spielt. Die Handlung ist sehr abwechslungsreich und fesselnd gestaltet, gibt das Rollenbild der Frau zur damaligen Zeit sehr authentisch wieder und spannt den Leser auch noch bei Huldas Nachforschungen ein, wobei ihm ein wunderbares Kopfkino während der Lektüre beschert wird. Die Charaktere sind voller Leben und sorgen mit ihren glaubwürdigen menschlichen Eigenschaften dafür, dass der Leser sich als Teil von ihnen fühlt und mit ihnen eine aufregende Zeit zu erleben. Hulda ist eine Seele von Mensch, die sich für andere einsetzt und aufopfert. Sie trotzt den Konventionen und macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Sie spricht die Dinge offen an und lässt sich auf ihrem Weg nicht beirren. Ihr Hang zur Hobbydetektivin bringt sie oftmals in Schwierigkeiten, doch sie lässt nicht locker, auch wenn sie sich dabei in eine schwierige Lage bringt. Johann ist ein freundlicher Mann, der weit weltoffener ist als seine Kollegen, vor allem in Bezug auf Traditionen. Karl North ist inzwischen selbständiger Detektiv und unterstützt Hulda bei ihren Ermittlungen. „Die Stunde der Frauen“ unterhält auf wunderbare und packende Weise mit einer lebensnahen und starken Protagonistin vor akribisch recherchiertem historischem Hintergrund. Die Handlung nimmt den Leser durch Abwechslung und Spannung bis zur letzten Seite in Geiselhaft. Absolute Leseempfehlung für ein Highlight, das es in sich hat!

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