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thursdaynext

Posted on 15.7.2021

Anthropozän? Und was macht ihr da so? „Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen)“ von John Green, hat mich damals umgehauen. Ich hatte das Hörbuch ausgeliehen und konnte nicht mehr aufhören zuzuhören. Das Roadmovie um einen hochbegabten jungen Typen, sein Pech mit Katherines und seinen Kumpel war wahrhaftig, tiefsinnig, albern auf hohem Niveau, sehr witzig und zugleich unglaublich berührend und fühlte sich, trotz der abgedrehten Charaktere derart echt an, dass ich während des Hörens in meine Jugend zurückversetzt wurde. Seither ist Green einer meiner liebsten Jugendbuchautoren. Er hat diese seltene Gabe so zu schreiben, die einen als LeserIn völlig in die Geschichte eintauchen lässt, egal was er da erzählt. (Einzige Ausnahme ist „Will & Will“ das er mit David Leviathan zusammen geschrieben hat. Ich hätte auch zusammengeschrieben schreiben können, so kam es an.) Mit „Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen?“ hat er jetzt ein Sachbuch für Erwachsene herausgebracht und auch hier war ich sofort gebannt und dabei. Bis zur letzten Seite, die wie immer bei guten AutorInnen, viel zu früh auftauchte. Auf die Idee kam er während einer Reise zusammen mit seinem Bruder. Sie lasen sich aus Jux regelmässig absurde Google Bewertungen vor. Ein User vergab für den Badlands- Nationalpark einen Stern. Begründung; „Nicht genug Berg.“ Die 5 Sterne Bewertungen und ihr, bei näherer Betrachtung durchaus absurder Erfolg, John Greenes Interesse am Anthropozän, sowie seine Idee Kanadagänse zu bewerten führten letztendlich zu diesem herrlichen Buch. Er bewertet (mit ausgiebiger Begründung und vielen Informationen, ausgewählte, teils auch triviale Dinge die in unserem und besonders seinem Leben präsent sind. Velociraptoren zum Beispiel. Ja, sie gehören nicht direkt in dieses Erdzeitalter, aber dank Jurassic Parc haben wir alle eine Vorstellung von ihnen, die, liest man bei Green nach, nicht unbedingt zutreffend ist. Fluffig erzählte Fakten aus der Geschichte wie die Erfinderin des Monopoly übergangen wurde, mischen sich mit autobiographischen Erlebnissen Greens. Alles ist so locker, witzig und dabei tiefgründig, erzählt wie man es von John Green kennt. Das Ganze ist eine Essay-Sammlung mit Sternebewertung, die es in sich hat. Lebensbejahend und doch mit kritischem Blick auf die Menschheit. Es ist ein Genuß zu lesen und ansteckend. Ich bewerte jetzt zum Beispiel Nacktschnecken mit 1 Stern. Green scheut nicht davor zurück über sich selbst zu sprechen, seine Angsterkrankung, seine erstaunlich zahlreichen anderen Erkrankungen, seine recht miese Jugend und dem, was für ihn das größte Glück ist. Die Auswirkungen der Menschheit auf den Planeten, einschließlich seiner selbst sind das Grundthema. Er nimmt sich selbst und die Menschen liebevoll auf die Schippe, hat dabei immer den Blick dafür, was die Menschheit im Kleinen auf unserem fragilen Planeten anrichtet und er zitiert aus Maurice Sendaks letztem öffentlichen Interview, das allein schon reicht um „Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen?“ zu lesen: „Ich habe mein ganzes bisheriges Leben gebraucht um mich in die Welt zu verlieben. …“ Wenn ihr sonst nichts lest, in einer Leseflaute steckt oder die Welt euch gerade über ist, lest dieses Buch. Es hilft, und von mir bekommt es, wie auch anders, 5 *****Sterne und 28 Dodos.

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