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sommerlese

Posted on 8.7.2021

Im Heyne Verlag erscheint der neue Roman von Emma Sternberg "Ein Garten für zwei". "Die Liebe ist wie ein Garten: Sie ist niemals fertig." Luise (Lu) Thome ist erfolgreiche Anwältin in einer Berliner Kanzlei, sie geht in ihrer Arbeit auf und ist immer top gestylt. Der unerwartete Todesfall ihres Bruders Pip versetzt sie in einen Schockzustand, an Arbeiten ist nicht zu denken, sie nimmt eine Auszeit, um den Verlust zu verarbeiten. Pips geliebte Gartenlaube ist ihr Ziel, dort fühlt sie sich mit ihm verbunden. Als der Frühling kommt, beschäftigt sie sich mit dem Pflanzen von Gemüse und findet Freude an der Gartenarbeit. Aber sie macht sich auch Gedanken darüber, was sie sich im Leben wirklich wünscht. Dieses Buch ist flüssig und interessant geschrieben. Es ist eine Selbstfindungsgeschichte, die neben vielen Informationen über ökologische Landwirtschaft, Pflanzenkunde und Umweltgifte den Sinn von biologischem Anbau und Naturheilkunde deutlich macht. Mit Lus Einzug in die ländliche Gartenlaube ihres Bruders Pip macht sie Bekanntschaft mit den Nachbarn, holt sich Gartentipps und freundet sich mit ihnen an und je mehr sie sich mit dem Garten beschäftigt, umso mehr verändert sie sich und ihre Ansichten. Auf einmal weiß sie gar nicht, ob ihr Leben als Anwältin in der Großstadt sie überhaupt noch ausfüllen kann. Durch das Leben auf dem Land bekommt Lu auf einmal Verständnis für die Natur, sie merkt, wie erfüllend und lecker der Anbau von eigenem Obst und Gemüse sein kann und fühlt sich damit ihrem Bruder ganz nahe, dessen Liebe zum Garten nun in ihr erwacht. Durch ihre Nachbarn erfährt sie, wie schwierig die Zertifizierung von Bio-Produkten sein kann und dass Schadstoffe aus dem Wasser oder dem Boden das Biosiegel einfach nicht zulassen. Mit dem Ehrgeiz der erfahrenen Anwältin geht sie den Verursachern nach und fühlt sich mehr und mehr mit der Dorfgemeinschaft verbunden. Damit geht ihr auch ein Licht auf, welche Wert im Leben etwas zählen und wie sie sich ihr zukünftiges Leben vorstellen könnte. Doch ist das nicht so einfach, schliesslich muss sie von etwas leben und ihr Job als Anwältin ist auf dem Land keine Option. Mir hat es gefallen, wie Luise von der toughen Anwältin im schicken Dress allmählich auf ihr Aussehen pfeift, sich zur Gärtnerin verwandelt und damit ihrem Leben einen neuen Sinn gibt. Natürlich spielt auch die Liebe eine Rolle, Lus wachsende Liebe zu den Pflanzen entwickelt sich weiter in eine Romanze zu einem Mann, denn auch die Liebe beginnt als kleines Pflänzchen. Doch ich muss auch zugeben, dass mir Lu irgendwie nicht auf Anhieb sympathisch wurde, es blieb immer eine gewisse Distanz. Die unterschiedlichen Menschen aus dem Dorf verleihen der Geschichte unterhaltsamen Charme, interessant und wissenswert für alle Gartenfreunde sind die Fakten über Rapsfelder, Monokulturen und Pflanzenschutzmittel und die Szenen im Garten und der Kampf um Biosiegel und gegen Umweltgift sorgen für Zufriedenheit beim Lesen. Mich hat die Geschichte gut unterhalten und es war erfüllend, wie Lu mit ihrer zupackenden Art und neuen Ideen das Dorfleben verändert hat. Dieser Roman enthält fröhliche und ernste Momente und ist eine unterhaltsame Lektüre. Ich empfehle ihn allen Naturverbundenen und Gartenfreunden und Leser(innen), die gerne im Garten wühlen.

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