Profilbild von gwyn

gwyn

Posted on 3.5.2021

Der Anfang: «Also, ich sag mal so: Ich weiß genau, wer das T-Shirt in mein Schließfach gestopft hat.» Mason Buttle hat es nicht leicht, denn er kann kaum lesen und schreiben. Deshalb lachen andere Kinder in der Schule über ihn und hänseln ihn. Obendrauf hat er eine seltene Krankheit, er leidet unter extremen Schwitzen, hat ständig nasse Hände und ein nasses Gesicht, wechselt sein T-Shirt, wäscht sich den Schweiß mit einem Tuch ab. Sein einziger Freund ist tot. Eines Tages lag er unter dem Baumhaus, von der Leiter gefallen. Ein Polizist taucht immer wieder bei Mason zu Hause auf, denn er glaubt, der Junge weiß etwas, hat etwas beobachtet, das noch tief in ihm steckt, an das er sich vielleicht nicht erinnern kann. Der Mason lebt auf eine Apfelfarm, die aber nicht mehr bearbeitet wird, zusammen mit seiner Großmutter, seinem Onkel und einer jungen Frau, die sie von der Straße aufgelesen haben. Das alte, windschiefe Haus bezeichnet er selbst als Bruchbude. «Ähm. Okay. Ich ... ähm. Steige in den Bus. Ich habe einen Doppelsitz für mich allein. Morgens ist das meistens so. ... Da muss ich auch nicht befürchten, dass ich jemanden vollschwitze.» Mason findet einen neuen Freund, Calvin, der Neue. Er ist ungewöhnlich klein und dünn, dafür aber besonders schlau, hat immer sein Tablett dabei. Die beiden haben eins gemeinsam: Sie steigen an derselben Haltestelle aus dem Schulbus aus, werden im Bus von anderen Jungen traktiert, die Calvin als Pygmäen beschimpfen, die sie nach dem Aussteigen jagen, mit Äpfeln beschmeißen. Das Haus von Mason ist näher dran. Dorthin flüchten sie jeden Tag unter dem Hagel von Äpfeln, die auf der Plantage auf dem Boden liegen. Grandma macht ihnen einen täglich einen Bananenshake. In einem alten Lagerkeller, der sich in der Nähe vom Haus befindet, richten sie es sich ein. Der Zugang ist durch Brombeerhecken geschützt. Das ist ihre Höhle, ihr Versteck, das sie innen mit Höhlenmalerei schmücken wollen. Hier sind sie sicher vor den fiesen Jungs! Und Mason zeigt dort sein Talent: Gefühle als Farben wahrzunehmen zu können, und er kann malen Mason ist lernbehindert und versteht oft Zusammenhänge nicht. Wir lernen die Welt aus seiner Sicht kennen. Er versteht auch die Fragen des Polizisten nicht genau, versucht ihm, in seiner Art zu antworten, Farbeen die er gesehen hat, doch der ungeduldige Mann unterbricht den Jungen ständig. Der Leser ahnt, dass mit dem Unfall von Masons Freund etwas nicht stimmt, ein Strang, der das Buch durchzieht, am Ende aufgelöst wird. Alle wissen Bescheid, sie lesen Zeitung, nur Mason nicht, er kann nicht lesen, und wir lesen ja seine Perspektive. Ein warmherziger Antiheld, der sich für seine Freunde einsetzt, der nicht alles versteht. Was hier zählt, ist Freundschaft und der Rückhalt der Familie – zum Ende wird das Buch noch richtig spannend. Es ist ein ruhiges Kinderbuch, sehr im amerikanischen Stil. Ein Kinderroman zum Thema Menschlichkeit, Freundschaft, Mobbing und Ausgrenzung. Der Hansaverlag gibt eine Altersempfehlung ab 10 Jahren; dem kann ich mich anschließen. Der Roman ist in Ordnung. Mir persönlich war es zu sehr auf Hollywoodmanier geschrieben. Zuviel Tränendrüse und Strickmuster: Liest du die ersten Seiten, kennst du die Mitte und das Ende. Das Strickmuster der Heldenreise funktioniert, aber es ist arg ausgeleiert. Sprachlich ist es in Ordnung, aber nicht der große Wurf. Vielleicht ist es das Gesamtkonzept – trotz der gesamten Dramatik hat mich das Buch nicht berühren können, die Aussage ist mir zu einfach im Endergebnis, die Zwischentöne fehlen. Leslie Connor, geboren 1959, in Cleveland, Ohio, hat bereits einige, mit vielen Preisen ausgezeichnete Bücher für Kinder geschrieben. Dieses Kinderbuch wurde mit dem ALA Schneider Family Book Award ausgezeichnet wurde und außerdem Finalist des National Book Award 2018 war. Connor lebt mit ihrer Familie und drei Hunden in den Wäldern von Connecticut.

zurück nach oben