Profilbild von thursdaynext

thursdaynext

Posted on 31.3.2021

Dass Rapahaela Edelbauer verdammt gut schreibt und raffinierte stilistische Feinschmeckerei betreibt habe ich bereits in „Das flüssige Land“ erfahren und genossen. Daher war die Vorfreude auf DAVE, dessen Aufmachung mich bereits entzückte, immens. Übrigens, falls ihr Worte entdeckt, die ihr zwar dechiffrieren könnt, aber bisher nicht kanntet, das liegt glaube ich nicht daran, dass die Autorin Österreicherin ist, sondern, dass sie sie sich einfach erfindet. Immer wieder nett. Zu Beginn las ich auf Wolke Sieben. Sprachlich herrlich und genußvoll ist der Prolog. Doch dann, Szenenwechsel und mittendrin im Geschehen hieß es, sich zuerst in dieser klaustrophoben Welt, zurechtzufinden um danach die Fülle an Informationen und Denkanstössen zu verabeiten. Leider gibt es erheblich geistreichere Besprechungen zu diesem Roman als ich sie zu schreiben vermag. Ihr findet sie auf Zeit online und bei Deutschlandfunk Kultur. Ich würde sie aber erst nach dem Lesen dieser sowohl faszinierend wie auch enervierend komplexen Buchperle empfehlen (Spoileralert). Künstliche Intelligenz ist ja nicht erst seit den Terminator Filmen angstbesetzt und viel diskutiert. Die Auswirkungen auf die Gesellschaften, die Menschheit sind ungewiss. Zukunftsszenarien zu diesem Thema wimmeln von Dystopien, die UTOPIE der künstlichen Intelligenz muss erst noch erfunden werden. (Becky Chambers nähert sich zumindest einer utopischen KI ein wenig an, aber das ist selten, zumindest in den Romanen meiner Leseblase). Edelbauer bleibt diesem dystopischen Narrativ treu. Auch sie sieht die Probleme darin, dass Artifizielle Intelligent von Menschen programmiert wird. Menschen sind fehlbar, oder hegen Eigeninteressen. Fasziniert hat mich insbesondere wie das Thema Künstliche Intelligenz derart breit ausgeweitet betrachtet werden kann, denn die Autorin hat mir tatsächlich etliche neue Blickwinkel auf diese Thematik beschert. Ab und an kamen mir Vergleiche zu einem meiner liebsten Filme, dem „Leben des Brian“ in den Sinn. „Folgt der Flasche des Meisters.“ Auch Terry Gilliams Meisterwerk „Brazil“ kann zur Beschreibung dieser glücklicherweise noch teilweise fiktiven Welt beitragen, erfordert dieses abgefahrene Filmkunststück doch die gleiche Geduld um es zu erschauen wie DAVE und könnte im Groben hervorragend als Setting dienen. Hin und wieder benötigte ich mathematische Nachhilfe, recherchiert, lange Denk- aber auch Erholungspausen verzögerten den Lesefluss. Mein pandemieversehrtes Hirn kam mit der klaustrophoben Atmosphäre weniger gut zurecht, doch immer wieder folgte der Drang mich neu auf DAVE einzulassen. Gegen Ende lief es dann auf eine Nachtschicht hinaus und siehe da, es war sehr gut. Ein außergewöhnliches Leseerlebnis das nachwirkt. Unbedingt empfehlen möchte ich nach Lektüre von Dave Jaron Laniers Betrachtungen ("Wem gehört die Zukunft") zu Algorhythmen und KI die bereits jetzt unser Leben bestimmen.

zurück nach oben