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Akantha

Posted on 23.3.2021

Kerstin Gulden debütiert 2021 im Rowohlt Verlag mit ihrem Roman „Fair Play“. In Berlin wird ein Schulwettbewerb zum Thema Umweltschutz ins Leben gerufen. Kera, Leonard, Elodie und Max starten an ihrer Schule eine App, die nicht nur den ökologischen Fußabdruck des Anwenders fortlaufend berechnend, sondern diesen auch mit den Social Media Konten verknüpft. Jeder kann dauerhaft sehen, ob du „grün“ oder „rot“ bist und ob du so die Erde belastest. Dies reift zum sozialen Maßstab: Wer auf „rot“ steht oder die App gar nicht erst verwendet, wird ausgegrenzt. Der Wettbewerb gerät immer weiter in den Hintergrund und die vier Schüler*innen verlieren die Kontrolle über das Experiment. Bei dem Klappentext wusste ich sofort, dass ich dieses Buch lesen will: Ein Schulexperiment gerät außer Kontrolle, da denke ich direkt an „Die Welle“. Hier wird dies neuartig mit dem hochaktuellen Thema Umweltschutz umgesetzt. Das Buch wird im Wechsel aus den Perspektiven der vier Schüler*innen erzählt, welche die App ins Leben gerufen haben. Interessant ist hierbei, dass sie absolut unterschiedliche Charaktere sind und auch zueinander zu Beginn keine Freundschaften, sogar Abneigungen, bestehen. Sie bringen jeweils unterschiedliche Fähigkeiten in das Experiment ein und es war spannend zu beobachten, was jeder Schritt des Experiments für die oder den Einzelne*n bedeutet. Der Roman lebt von der Frage „Was wäre wenn?“. Als Leser*in fragt man sich permanent, ob alles genauso ablaufen würde, wenn es die App in der Realität gäbe. Zumeist konnte ich diese Frage mit „ja“ beantworten. Kerstin Gulden hat hier ein realistisches und gar nicht so zukunftsfernes Modell erschaffen, was sich für mich heute schon echt und authentisch anfühlt. Das Ende hat mich ganz unerwartet getroffen und ist ein Abschluss mit einem Knall. An einigen Stellen war mir die Geschichte aber etwas zu schnell erzählt. Ich hätte mir mehr konkrete Szenen darüber gewünscht, wie einzelne Personen mit der App und ihren Vorgaben hadern und sich grundsätzlich damit fühlen. Die Explosion der sozialen Ordnung ist für mich viel zu zügig eingetreten, ein gewisses Brodeln vorher hätte die Spannung besser angeheizt und wäre für mich auch nachvollziehbarer gewesen. Als Leserin wusste ich einfach zu wenig über den Alltag mit der App. Was mir zudem nicht gefallen hat, war, dass es von Beginn an einige Anspielungen auf vergangene Ereignisse gibt, die entweder viel zu spät oder gar nicht aufgelöst wurden. Da war die Geschichte nicht ganz rund und ich hatte bis zum Ende das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Zusammenfassend komme ich zu 4 von 5 Sternen. Die Idee ist großartig und Kerstin Gulden hat den Verlauf sehr gut durchdacht. Ein bisschen mehr Details hätte ich mir noch gewünscht, aber ich behalte diese Autorin definitiv im Auge.

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