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sinnesgleich

Posted on 17.3.2021

TW: Kindesmisshandlung Es gibt keine Monster mehr, so wird es den Kindern in der Stadt Lucille beigebracht. Mit vernarrten Eltern und einem besten Freund namens Redemption ist Jam ihr ganzes Leben lang mit dieser Lektion aufgewachsen. Aber als sie Pet trifft muss sie überdenken was man ihr gesagt hat, denn Pet ist gekommen um ein Monster zu jagen. In ihrem Young Adult Debütroman stellt Akwaeke Emezi Fragen darüber, welche Entscheidungen ein junger Mensch treffen kann, wenn die Erwachsenen um ihn herum alles leugnen. Es ist sehr beeindruckend wie die Autorin es nicht nur schafft Fantasie und Realität miteinander verschmelzen zu lassen, sondern auch Missstände in der Gesellschaft zu kritisieren ohne die Handlung zu ausschweifend werden zu lassen. "Forgetting is dangerous. Forgetting is how the monsters come back.” Vorrangig geht es in der Geschichte um das Vergessen. Um das Vergessen dessen, was einst geschah und somit jederzeit wieder geschehen kann. Aber auch um die Frage ob Menschen aus ihren Fehlern tatsächlich lernen können. Unsere Geschichte hat mehr als einmal bewiesen wie gut wir darin sind zu vergessen, Dinge die wir nicht wahrhaben wollen nicht zu sehen und die immer gleichen Fehler wieder zu begehen ohne es zu bemerken. Allerdings sind wir ebenfalls äußerst gut darin genau dieses Verhalten zu leugnen. Aber wenn wir es doch schaffen dieses Verhalten zu durchbrechen, zu hinterfragen und tatsächlich zu sehen - dann schmerzt es erstmal sehr bevor sich etwas ändert. "The unseen can tear your eyes open when it comes into sight, and sometimes the mind behind that tears as well." Doch neben diesem wichtigen Thema hat mich auch absolut begeistert wie selbstverständlich und doch sensibel die Emezi die Verflechtung von Geschlechtsidentitäten und Sexualität dargestellt hat. Auch die Freundschaft zwischen Jam und Redemption, wie liebevoll die beiden miteinander umgehen ist wunderschön. "Pet" von Akwaeke Emezi ist ein absolut grandioser Young Adult Roman den ich am liebsten jedem in die Hand drücken würde. In diesen gerade mal 200 Seiten steckt so viel mehr als man erwarten würde. Die Autorin beweist, dass Quantität nicht zwingend mit Qualität einhergeht.

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