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Buchdoktor

Posted on 13.2.2021

Ein Vater und seine kleine Tochter gehen gemeinsam ins Kino, immer wenn das Mädchen seine verstorbene Mutter vermisst. In einem gedeckten herbstlichen Szenario blickt die kleine Mädchenfigur in strahlenblauer Kleidung in die Baumkronen zu den fallenden Herbstblättern. Vater und Tochter und auch andere Menschen wirken neutral, beinahe europäisch, als wären sie bewusst für ein Publikum auf der ganzen Welt gezeichnet. Die beiden Personen sind im vollbesetzten Kino zu beobachten, aber auch allein, wenn sie nach dem Abspann noch einen Moment im leeren Kinosaal sitzen bleiben. Die Kinobesuche bringen Vater und Tochter einander nahe, können den Verlust der Mutter jedoch nicht heilen. Manchmal versucht die Kleine, dem Duft ihrer Mutter auf einem hinterlassenen Seidenschal nachzuspüren. Mit 14 trifft sie einen Jungen, der ihre Liebe zum Kino teilt, doch die beiden müssen sich trennen, als die Familie fortzieht. Das Mädchen wächst heran und bleibt mit Fragen an die Mutter zurück, auf die es keine Antworten gibt. Die Filme bleiben ihr länger in Erinnerung als die Begleiter, mit denen sie sie ansah. Auch als Erwachsene bleibt das Kino ihre Zuflucht, wenn sie mit Problemen zu kämpfen hat. Die Erzählerin bekommt selbst eine Tochter, Xinxin, die im Kino einen Vater sucht. Der Kreis schließt sich, als der Vater des kleinen Mädchens in Blau älter und gebeugter wird und sie unter dem Baum der Anfangsszene noch immer gemeinsam ins Kino gehen – auf der Suche nach der lange verstorbenen Mutter. Jimmy Liaos Bücher entstanden ursprünglich aus einer schweren Erkrankung heraus als Nachlass für seine Familie. Seine Illustrationen beeindrucken durch die ungeheure Strahlkraft der Farben, als hätte Farbe in seinen Büchern auf einer eigenen Spur eigene Sprache. "Das Kino des Lebens" ist seine Verneigung vor dem Kino. Die Darstellung von Tod und Trauer im Buch richtet sich eher an Erwachsene.

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