Profilbild von ankasgeblubber

ankasgeblubber

Posted on 26.12.2020

Gleich vorneweg: Dies ist keine Rezension im eigentlichen Sinne, denn ich habe "Linna singt" auf Seite 206 abgebrochen. Im Folgenden möchte ich euch das Buch trotzdem vorstellen und euch von meinen Leseerlebnissen erzählen. Linna ist eine Protagonistin, die es einem nicht leicht macht, sie ins Herz zu schließen. Sie ist sehr eckig & kantig aber auch sehr verschlossen. Als Leser spürt man, dass sie ein Geheimnis hütet, das sie sehr belastet. Nach außen hin wirkt sie sehr schroff, patzig, arrogant und unnahbar, doch wir Leser können ein Stück weit hinter die Fassade blicken und spüren ihre Unsicherheit, ihre Angst und ihre Traurigkeit. Nach 5 Jahren trifft sich die alte Band "Linna singt" wieder, um für ein einmaliges Comeback zu proben. 5 Jahre haben sich die Bandmitglieder nicht gesehen, alle haben sich verändert und viel von dem, was sie mal ausgemacht hat, verloren. Aus den "Jungen Wilden" sind Erwachsene geworden, deren Entwicklung Linna so gar nicht verstehen und wahrhaben möchte. Eingeschneit auf einer Berghütte müssen die 5 aber miteinander klarkommen, es kommt zu Konflikten, Aussprachen und Psychospielchen. "Linna singt" ist kein leichtes Buch. Die eindringliche Atmosphäre, unterstützt durch das unheilbringende Schneegestöber, ist sehr düster und schwer, teilweise melancholisch. Ich war ein bisschen hin- und hergerissen, da ich eigentlich mit einem Pageturner gerechnet hatte. Trotzdem hatte dieses Buch irgendwas, das mich anfangs immer weiter in die Geschichte hineingezogen hat, schließlich wollte ich wissen, welches Geheimnis Linna verbirgt. Warum ist Linna so wie sie eben ist? Von Seite zu Seite tat ich mich dann schwerer mit der Geschichte. Ich hatte regelrecht den Eindruck, dass sie mich mit ihrer Tiefe, ihrer Schwere und ihrer depressiven Melancholie erdrückt. Atmosphärisch und sprachlich ist dieses Buch also wirklich top! Ich schätze Bettina Belitz leicht poetischen Schreibstil sehr. Doch mir tat die vorherrschende Stimmung einfach nicht gut. Sie haftete an mir wie ein klebriger Brei und schließlich hatte ich selbst das Gefühl, unter einer Schneelawine begraben zu sein. Trotz meiner Neugierde (die Geschichte bekam einen interessanten, neuen und etwas unheimlichen Aspekt dazu), konnte ich mich nicht dazu durchringen weiterzulesen. Zumindest vorerst nicht. Vielleicht probiere ich es zu einem späteren Zeitpunkt noch mal. "Linna singt" ist ein ganz besonderes Buch, das habe ich sofort gespürt. Es ist außergewöhnlich und weicht deutlich vom "Mainstream" ab. Ich denke, hätte es mich in einer anderen Stimmung oder einer anderen Phase begleitet, hätte es mich mitreißen und restlos begeistern können. Deshalb wird es mein Bücherregal auch noch nicht verlassen und zu gegebener Zeit ein weiteres Mal auf meinem Nachttisch Platz nehmen.

zurück nach oben